GT-News

Hesselbach, die letzte

Hesselbach, die letzte

(dr.delay durfte am 17. Hellsternigen Hesselbacher Hofturnier teilnehmen)

TrĂ€nen, Umarmungen, Emotionen pur. Das war das Ende des 17. Hesselbacher Hofturniers, veranstaltet wie immer von Christine und Frank Hellstern und diesmal zugleich Auftakt der fĂŒnfturnierigen Crosslap German Tour Major 2016-Serie.

Aber warum dieses fĂŒr hart gesottene, wettergegerbte Disc Golf Kerle und Kerlinnen gefĂŒhlsbetonte Ende? Ganz einfach. Eine lange Tradition geht leider zu Ende, denn das 17. HHH war das letzte seiner Art. Der „Hellsterner Hof“ und der diesen umringende, höchst anspruchsvolle Kurs steht ab 2017 nicht mehr zur VerfĂŒgung. Deutschlands bekanntes Disc Golf Paar muss umziehen.

HHH_dr.delay02
Bauer sucht Ausgang

Das ist mehr als nur schade, denn der wunderschön gelegene Kurs entsprach allerhöchsten AnsprĂŒchen, die familiĂ€re AtmosphĂ€re gab dem Turnier 17 Jahre lang eine ganz besondere Note. Wo gibtÂŽs schon Freitagabend KĂ€sespĂ€tzle satt, fĂŒr jeden, der gerade da ist? Und wo trifft man schon rund ein Dutzend Spieler und Spielerinnen im Wohnzimmer, bzw. der Scheune (!) des TDs an? Der alternde Verfasser dieser bescheidenen Zeilen fĂŒhlte sich ein wenig an die „good old times“ erinnert, als man einfach nur herumtelefonierte, wenn man ein Turnier veranstalten wollte und die HĂ€lfte der Spieler dann am Tag vorm ersten Abwurf wie selbstverstĂ€ndlich mit dem Schlafsack in der EingangstĂŒr standen.

Dass die einschneidende VerĂ€nderung von Frank Hellstern bis zum Schluss zurĂŒckgehalten wurde machte Sinn, denn der hoch professionell gestaltete und reibungslos ablaufende Turnierverlauf sollte nicht gestört werden. So endete die Siegerehrung mit einem gegen TrĂ€nen kĂ€mpfenden TD, einer ungeplanten, dem Schock geschuldeten Schweigeminute, bis die Crowd sich wieder gefasst hatte. Anschließend folgten nicht endend wollende Standing Ovations und es formte sich eine TD-Umarmung fordernde Spielerschlange, die bis nach Hesselbach Downtown reichte. Es war traurig und schön zugleich, so wie Disc Golf – wenn dem unnötigen Triple-Bogey zwei Birdies folgen.

Zum Kurs:

2.036 m lang (zzgl. gefĂŒhlter 2.035 Höhenmeter), Kurspar 63, gegenĂŒber dem Vorjahr leicht verĂ€ndert, heißt: erschwert, höchst abwechslungsreich designed, jedes Mando gut sichtbar markiert und jede OB-Zone deutlich erkennbar ausgelegt.

Kniend zur FĂŒhrung
Kniend zur FĂŒhrung

So gab es so gut wie keine sonst oft so typischen Regelauslegungsdiskussionen, sondern man konnte einfach durchspielen. Auch ein Top PDGAler hÀtte in Hesselbach seine wahre Spielfreude ausleben können. Kurzum: Das 17. HHH hatte es wieder einmal in sich und konnte es mit jedem amerikanisch-finnisch-schwedischen Profi-Turnier aufnehmen.

Zum Spielverlauf:

Die Division der Frauen wurde von Anfang an von Christine Hellstern dominiert, die sich bereits nach der ersten Runde mit fĂŒnf WĂŒrfen von Nora Wrobel absetzte und diesen Vorsprung am Ende auf 15 WĂŒrfe ausbauen konnte. Wenn man bedenkt, dass Christine morgens stets auch noch Brötchen fĂŒr das Dutzend WohnzimmerschlafsackschlĂ€fer besorgte und ein FrĂŒhstĂŒck offerierte, eine fast ĂŒbermenschliche Leistung. Auf dem dritten Platz landete schließlich Maike Janiesch.

Bei den Grandmastern gab es den erwarteten Zweikampf zwischen den Herren Hellstern und (Wolfgang) Kraus. Die beiden schenkten sich nichts und hielten den tapfer kĂ€mpfenden Rest durchgehend auf Distanz. Unter BerĂŒcksichtigung des Umstandes, dass beide nicht nur hochgradig erkĂ€ltungsgeplagt waren, sondern fast fĂŒnf Tage lang mit Kurs- und Turniervorbereitungsmaßnahmen beschĂ€ftigt waren (zusammen mit Jugendreferenten Franz „sexy redhead“ Schröer), eine weitere, ziemlich beeindruckende Leistung aus der Abteilung „50 ist das neue 30“. Dann abgeschlagen, aber respektabel gespielt: Werner Riebesel, einen Wurf vor Martin Fohlert.

Und auch die Masters-Konkurrenz hatte echtes Spannungspotential, denn hier kĂ€mpften gleich drei Disc Golf Veteranen um die letzte Hesselbacher TrophĂ€e. Am Ende setzte sich Klaus Kattwinkel, wie immer von seiner reizenden Frau und seinem treuen Hund auf jeder Runde begleitet, ab und lag fĂŒnf WĂŒrfe vor dem Zweitplatziertenduo Frank Buchholz und Lucca Seipenbusch. Klaus K. war aber auch klar im Vorteil. Nicht nur wegen der vorgeschilderten UmstĂ€nde, sondern auch, weil er wie stets in der PrĂ€sidentensuite des Chez Hellstern nĂ€chtigte, wĂ€hrend der im Survival-Modus angetretene Frank B. die Scheune okkupierte.

Gruppenspotting hilft
Gruppenspotting hilft

Die Open: Es konnte nur einen geben. Gemeint ist nicht der öde Highlander, sondern der 22 Jahre alte, Heidenheimer Dominik Stampfer. Er setze sich bereits in der ersten Runde mit drei WĂŒrfen vom NĂ€chstbesten ab, immerhin der spĂ€tere viertplatzierte Marian Ludwig aus Hof. Er baute dann Runde um Runde seinen Vorsprung vor seinen Verfolgern aus, um am Ende neun (in Zahlen: 9) WĂŒrfe vor dem zweitplatzierten Grebensteiner Christian Plaue zu liegen.

DreamTeam
DreamTeam

Auch der ĂŒberraschend starke, am Ende drittplatzierte Marvin Hartmann, begleitet von dem wohl coolsten Caddy auf dem Kurs: nĂ€mlich seiner bezaubernden Mama, konnte da nur hinterherschauen – am Ende 13 WĂŒrfe. VervollstĂ€ndigt wurde die Spitzengruppe vom Augsburger Benedikt Heiß.

Was soll man Deutschlands Nummer Zwei (gleichwohl der spielerische Abstand zu unserem einzigen Profi Simon Lizotte nur noch gering sein dĂŒrfte) auch entgegen setzen, wenn dieser an einem Sonntagmorgen mal eben eine 1073er-Rating-Runde in den Schwarzwald zaubert? Die um 13:35 Uhr MEZ beendete Runde war nicht nur die zweitbeste je in Hesselbach gespielte Runde, sondern dĂŒrfte auch eine der besten deutschen Disc Golf Leistungen der letzten Jahre darstellen.

Gut zu wissen, dass die deutsche Spitze so gut aufgestellt ist und nicht nur attraktiv sondern auch jung genug ist, um uns noch viele, viele Jahre spielerisch zu begeistern.

Die vollstÀndigen Ergebnisse sind nachzulesen unter:  https://www.pdga.com/tour/event/24582

Sonstiges:

Der Pepita-Strohhut von Andreas Kölling entsprach nicht der PDGA-Kleiderordnung (Pkt. 3.4 – Dress Code). Eine ZurĂŒckstufung um zwei Krempen ist noch in der Diskussion.

Nach dem Major ist vor dem Major. Der nĂ€chste und damit zweite Einsatz der Turnierserienteilnehmer findet am 14. und 15. Mai in MĂŒnster statt; die westfĂ€lische Metropole liegt ĂŒbrigens nur 60 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel.

Herr Rippe will rechtliche Schritte einleiten – nachdem er zwei Mal auf der im Hochschwarzwald gelegenen Bahn 12 anfangen musste.

Hobby-Jurist Guido Klein konnte eine RegellĂŒcke auftun. Danach konnte er seine 10 auf Bahn 4 alternativ als 5 auf der 8 und 5 auf der 18 eintragen lassen.

Und: Es ist wirklich zu wĂŒnschen, dass die Hellsterns bald in neues Domizil finden und Disc Golf im Schwarzwald seinen Fortgang findet.

dr.delay im April 2016