News Regeln

Regel Update 2019 РWas hat sich geändert?

 Zum 01.01.2019 hat die PDGA dem Disc-Golf-Regelwerk (d.h. den ‚eigentlichen‘ Spielregeln und dem Turnierhandbuch) ein sogenanntes ‚Update‘ verpasst. Tats√§chlich stellt dies, um im Software-Vokabular zu bleiben, eher einen Patch dar, mit dem lediglich an etwa einem Dutzend Stellen im gesamten Text Verbesserungen vorgenommen wurden. Zudem handelt es sich meist um ‚kaum wahrnehmbare √Ąnderungen der Wortwahl‘ (Zitat PDGA) mit denen missverst√§ndliche Formulierungen ersetzt wurden, um den intendierten Sachverhalt besser zur Geltung zu bringen.

Trotzdem stellt sich nat√ľrlich die Frage: Was hat sich 2019 ge√§ndert?

Regelheft

Betrachtet man den Regelteil, dann gibt es lediglich zwei Punkte, die in Hinblick auf eine substanzielle

inhaltliche Veränderung erwähnenswert sind:

Eine DropZone muss nicht wie eine Abwurfzone markiert sein, sondern kann auch als Punkt auf der Spieloberfläche ausgewiesen werden, von dem aus wie von einer (markierten) Scheibe aus geworfen wird. (8.02.05.C)

Beim zweiten Punkt, n√§mlich bei der notorisch schwer verst√§ndlichen Regel zum Pflichthindernis (in 804.02.B), ist es unklar, ob eine inhaltliche √Ąnderung intendiert war.
Statt: -Ein Wurf hat ein Pflichthindernis verfehlt, wenn er, aus Richtung des Abwurfs kommend, eine Hindernislinie vollst√§ndig √ľberquert (verk√ľrzt formuliert), gilt nun:

-Ein Wurf hat ein Pflichthindernis verfehlt, wenn er, aus Richtung der letzten Lage kommend, eine Hindernislinie vollst√§ndig √ľberquert.

Eine Stellungnahme des Regelkomitee-Vorsitzenden Conrad Damon in der Diskussion zu der √Ąnderung deutet darauf hin, dass sie gedacht war, um U-f√∂rmigen Bahnen gerecht zu werden, d.h. Bahnen bei denen am Ende in Richtung des Abwurfs geworfen werden kann oder muss. Leider ist es aber offensichtlich, dass die neue Formulierung mindestens ebenso interpretationsbed√ľrftig ist und sogar wahrscheinlich zu mehr F√§llen f√ľhrt, in denen eine w√∂rtliche Auslegung der urspr√ľnglichen Idee der Hindernisregel widerspricht.

Diese ist nämlich:

– √úberquert eine Scheibe die Hindernislinie zuerst in Spielrichtung (d.h. der Richtung, in der das Hindernis passiert werden soll, grob gesprochen also auf dem Weg vom Tee zum Korb) und rollt oder fliegt nicht wieder √ľber sie zur√ľck, dann wurde das Hindernis verpasst und der n√§chste Wurf erfolgt von der DropZone.

-√úberquert eine Scheibe die Hindernislinie dagegen zuerst in umgekehrter Richtung und rollt nicht wieder zur√ľck, dann darf der Spieler die Hindernislinie mit seinem n√§chsten Wurf in Spielrichtung √ľberwerfen. Es ist erstaunlich, dass sich eine im Prinzip so einfache Idee anscheinend so schwer in Worte fassen l√§sst und wir d√ľrfen gespannt sein, wie die Hindernis-Regel im n√§chsten Jahr lauten wird.

Vielleicht noch am Rande erw√§hnenswert: in 809.03. A. ist jetzt ausdr√ľcklich festgehalten, dass ein blo√ües Fallenlassen der Scheibe keinen √úbungswurf darstellt (dass es sich dabei auch um keinen Wurf handelt geht aus dem Q&A-Teil hervor).

Turnierhandbuch

Schwerwiegender sind dagegen die √Ąnderungen im Turnierhandbuch. Diese betreffen vor allem die Strafen f√ľr das Fehlverhalten von Spielern, also der Versto√ü gegen allgemeine Verhaltensvorschriften, die auch f√ľr deutsche PDGA-Turniere verbindlich sind und sich auch in der Bundesspielordnung wiederfinden.

Zwar wurde hier der Umfang des zu ahnenden Fehlverhaltens nicht erweitert (dazu aber noch eine Erl√§uterung, s.u.), aber der Spielraum des Turnierdirektors im Umgang mit solchen Verst√∂√üen wurde eingeschr√§nkt und in der Praxis damit die Strafen f√ľr einige Verst√∂√üe versch√§rft. W√§hrend es in der 2018er Fassung dem Turnierdirektor f√ľr alle der explizit aufgef√ľhrten Verst√∂√üe (mit Ausnahme des Alkoholkonsums w√§hrend einer Runde bei B-oder h√∂her-klassigen Turnieren) anheimgestellt war,  eine Verwarnung oder eine Disqualifikation auszusprechen, so sind nun f√ľnf Vergehen direkt der Discqualifikation unterworfen:

  1. Betr√ľgen, d.h. das absichtliche √úbertreten der Regeln (um f√ľr sich selbst einen Vorteil oder f√ľr einen Mitspieler einen Nachteil zu erwirken)
  2. K√∂rperliche Gewalt gegen√ľber Spielern oder irgendwelchen anderen Anwesenden
  3.  Der Konsum oder das √∂ffentlich sichtbare Mitf√ľhren von verbotenen Substanzen w√§hrend der Runde. Unabh√§ngig davon, welcher Art die Verbote sind (staatlich, lokal, turniergebunden etc.).

4a. Der Konsum oder das √∂ffentlich sichtbare Mitf√ľhren von Alkohol w√§hrend der Runde bei B-oder h√∂herklassigen Turnieren.

4b. Der Konsum oder das √∂ffentlich sichtbare Mitf√ľhren von Marihuana

Zudem wurde bei der Formulierung der Punkte 3-4b der Ausdruck ‚possession‘ durch ‚public display‘ ersetzt. Mit anderen Worten: der Flachmann darf jetzt zwar wieder mitgef√ľhrt werden, nur zeigen darf man ihn nicht und trinken darf man daraus sowieso nicht (es sei denn, er enthielte Hustensaft). √úberraschenderweise gestrichen wurde der explizite Paragraph zum √ľberm√§√üigen Alkohol-

Konsum bzw. zum betrunkenen Auftreten auf dem Turniergelände (auch außerhalb der Runden). Allerdings kann immer argumentiert werden, dass dies bereits unter der allgemeinen Beschreibung von nicht akzeptablem Verhalten enthalten ist.

Des Weiteren die restlichen relevanten inhaltlichen √Ąnderungen im Turnierhandbuch:

-Das Zusammenstellen von Spielern zu sog. Feature Cards oder Super Groups in der ersten Runde zum Zwecke der Videoberichterstattung (etwa durch FROLF) ist  jetzt auch dann erlaubt, wenn es sich bei dem Bericht nicht um eine Live-√úbertragung sondern um eine sp√§tere Ver√∂ffentlichung handelt (1.06.J)

-Ein Spieler darf nicht zwei oder mehr Caddies gleichzeitig haben (3.05.B)

-Es wird klargestellt, dass Strafen, die sich der Caddie einhandelt, ebenso f√ľr den Spieler gelten (3.05.C)

-Turnierdirektoren sind angehalten, Spieler bis 8 Jahre höchstens 18 Bahnen pro Tag und Spieler bis 10 Jahre nur so viele Bahnen wie zumutbar spielen zu lassen (1.13)

Einen √úberblick √ľber die Regel√§nderungen auf Englisch findet ihr hier:

https://www.pdga.com/news/pdga-official-rules-disc-golf-competition-manual-updated-2019

Die ‚upgedateten‘ deutschen Texte mit Markierung der ge√§nderten  Stellen findet ihr hier:

Regelheft mit geänderten Stellen:

und

Turnierhandbuch mit geänderten Stellen:

Von Frank Neitzel