Neun Deutsche hoffen auf Erfolge in der Goldstadt

14.07.2010 – Von Ewald Tkocz. Im schwedischen „Disc Golf-Wunderland“ hebt sich nur vier Tage nach den Stockholm Open der Vorhang zum nächsten Spektakel: den Scandinavian Open in Skelleftea, dem neben den Japan Open einzigen Major Turnier der PDGA außerhalb der USA. Für die schwedischen Stars Jesper Lundmark, Markus Källström, Oscar Stenfelt und Emil Dahlgren bietet sich damit die Gelegenheit, die Scharte von Stockholm gegen die US-Amerikaner Nikko Locastro, David Feldberg und Cale Leiviska auszuwetzen.

Doch Vize-Europameister Michael Stelzer macht den Schweden wenig Hoffnung: „Das gewinnt erneut Locastro.“ Stelzer ist einer von neun deutschen Disc Golfern, die in das 800 Kilometer von Stockholm entfernte Skelleftea an der nordschwedischen Küste reisen. Mit dabei: Simon Lizotte, Kurt König, Frank Buchholz, George, Victor und Jerome Braun, Nikolai Tsouloukidse und Jörg Eberts.

Durchschnittliche Bahnlänge: Über 150 Meter!

„Skelleftea. Das ist gegenüber Stockholm noch eins oben drauf“, schwärmt der Rostocker Jörg Eberts. Und Michael Stelzer fiebert bereits dem Start am Donnerstag entgegen: „Der Kurs ist der absolute Hammer.“ Der Vize-Europameister hat hier vor zwei Jahren schon einmal gespielt. „Der Kurs ist in den Wald hinein geschnitten“, erzählt Jörg Eberts und Michael Stelzer ergänzt: „Jede Bahn ist durchdacht und wehe, du triffst das Fairway nicht…“ Der Kurs mit seinen 18 Bahnen ist 2 760 Meter lang. Die durchschnittliche Bahnlänge beträgt somit mehr als 150 Meter! Michael Stelzer: „Alleine am Abwurf der 350 Meter langen Bahn eins zu stehen, das ist schon etwas ganz Besonderes.“

Gold oder Arsen für die neun deutschen Disc Golfer?

Die von dem Vikar Nils Nordlander 1845 gegründeten Stadt erhielt den Beinamen „Goldstadt“, da in einem nahe gelegenen Bergwerk lange Zeit Gold und Arsen geschürft wurden. Was wird es für die deutschen Teilnehmer geben? Gold oder Arsen? Michael Stelzer ist nach seinem hervorragenden 14. Platz in Stockholm voller Euphorie: „Ich bin wieder voller Selbstvertrauen“, sagte er nach dem Turnier in der schwedischen Hauptstadt, „und in Skelleftea habe ich noch eine Rechnung offen.“ 77-69-64-61 lauteten seine Rundenergebnisse auf dem Par 66-Kurs im EM-Jahr 2008. Von Platz 92 arbeitete sich der Söhnstettener noch auf Rang 29 vor. Auch Kurt König aus Einbeck war damals dabei, wurde 25. Eine Platzierung unter den besten 20 wäre bereits ein großer Erfolg für die deutschen Spitzenspieler. Schließlich weisen fast 40 Spieler ein PDGA-Rating von über 980 auf, 14 von ihnen sogar über 1 000.

Auch für den hoch talentierten Bremer Simon Lizotte bieten die Scandinavian Open noch einmal die Möglichkeit durchzustarten und den 22. Platz von Stockholm vergessen zu lassen, den der 17jährige als „Katastrophe“ empfand. Mit George Braun und dem Schweizer Martin Jenny hat er zwei erfahrene Disc Golfer an der Seite, die ihm helfen werden, sein angekratztes Selbstvertrauen wieder aufzupolieren und ihn an sein Potential zu erinnern. Und die Gegenwart der „Berliner Jungs“ Victor und Jerome Braun sowie Nikolai Tsouloukidse wird für die nötige Lockerheit sorgen. Aber es wäre auch keine Überraschung, wenn sich Simons überaus lange Phase der Hochform allmählich abschwächen würde.

Nikko Locastro: ein Weltklassespieler mit Starallüren

Der Stockholm Open-Sieger Nikko Locastro hat Michael Stelzer beeindruckt. „Er ist unheimlich durchtrainiert und strotzt vor Selbstvertrauen. Solche Würfe wie von ihm habe ich noch nie gesehen.“ Weniger beeindruckend fand er das Auftreten des „laufenden Meters“ aus Saint Luis. Michael Stelzer: „Er fühlt sich als der absolute Boss, die anderen Spieler behandelt er, als seien sie Luft für ihn.“

Diese Starallüren kommen auch bei seinem Landsmann David Feldberg nicht gut an, der wegen seiner Freundlichkeit und Offenheit im Feld allseits beliebt und geschätzt ist: „Nikko ist zu früh groß geworden.“ Das Verhältnis der beiden derzeit besten Weltklassespieler sei gespannt, hat Michael Stelzer beobachtet. Zumal der Jungstar dem erfahrenen Champion bei den USDGC und zuletzt in Japan zwei sicher geglaubte Siege auf den letzten Bahnen entriss. Doch auch wenn die Persönlichkeitsentwicklung des 22jährigen derzeit mit seiner sportlichen noch nicht Schritt halten kann, wird ihm die nächste Formkrise die Gelegenheit dazu geben, respektvollere Umgangsformen nachzurüsten. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche von Skelleftea. Und außerdem Disc Golf like.

Bild und Infos: www.sodiscgolf.com

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