Bericht von Wiebke Jahn, Sophie Rossteuscher, Timo Hartmann und Wolfgang Kraus
Als wir am Flughafen in Frankfurt ankamen, wussten wir, warum es eine Kleiderordnung gab. Hundert andere Sportler, Coaches und Unterstützer hatten die gleiche Kleidung wie wir an und sofort fühlte man sich als Teil von Team-D. Ein Team, das eine besondere Mission hatte: Die Teilnahme an den World Games in China.
Timo und Wiebke waren ausgewählt Deutschland bei den World Games 2025 in Chengdu vertreten zu dürfen, dem größten Sportevent nach den Olympischen Spielen! Ein Event mit 5000 Sportlern und Sportlerinnen – und wir waren mittendrin.

Als Anreise erwartete uns eine zehnstündige Flugreise mit dem Ziel Chengdu. Eine Stadt mit 22 Millionen Einwohnern, auf einem anderen Kontinent mit einer erwarteten Temperatur von über 30 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit.
Die ersten Trainingsrunden auf dem extra errichteten Kurs im Guixi Ecological Park fühlten sich an wie reines Überlebenstraining. Die Feuchtigkeit war so hoch, dass unsere Scheiben beinahe aus der Hand glitten und selbst mit Tüchern, Grip-Aids und allem, was wir sonst zur Verfügung hatten, mussten wir uns den Widrigkeiten geschlagen geben und uns bestmöglich an die Bedingungen anpassen.

Wir tranken literweise Wasser, machten viele kurze Pausen im Schatten und nutzten unsere Regenschirme als Schattenspender. Sophie und Wolfgang taten alles, um beim Spielen zu unterstützen, trugen die Taschen, machten bei Regen die Scheiben trocken, versorgten mit kaltem Wasser, hatten notfalls eine Idee für einen Wurf und waren einfach immer für uns Spielende da.
Nach nur knapp zwei Trainingstagen standen wir am ersten Wettkampftag bereits um 7.30 Uhr morgens schon fertig am Tee, nicht nur wegen der Hitze – sondern auch vor Anspannung. Wir waren bereit, aber wir wussten, dass es schwer wird, den Körper oder den Kopf bei diesen Bedingungen oben zu halten. Die Bahnenanzahl wurde zum Glück in der Vorrunde gekürzt, und trotzdem warteten drei Spiele über jeweils 12 Bahnen auf uns.
In unserem ersten Spiel traten wir gegen ein starkes, junges Team aus Lettland an. Wir fanden schnell in einen Rhythmus, aber mussten uns nach hart umkämpften Bahnen am Ende geschlagen geben.
Das nächste Spiel gegen Frankreich wurde nicht einfacher – im Gegenteil. Die Sonne brannte noch gnadenloser und die Luft war so feucht, dass es sich anfühlte, als würde man durch Wasser atmen. Leider konnten wir die benötigte Leistung nicht abrufen, so dass wir auch dieses Spiel am Ende verloren. Mit dieser zweiten Niederlage war unser Traum, den oberen Pool zu erreichen, leider bereits geplatzt.

Im dritten Spiel gegen Finnland jedoch fanden wir endlich in einen gemeinsamen Flow. Es lief alles zusammen und wir konnten unser wahres Potenzial abrufen. In diesem Moment zeigte sich, wie gut wir als Team zusammenarbeiten können und wir waren glücklich, den Tag mit einem Sieg zu beenden.
Am Abend ließen wir den Tag gemeinsam ausklingen. Bei einem Cocktail, einem Glas Wein oder einem Bier spielten wir ausgelassen Kicker und Kniffel. Es war eine perfekte Gelegenheit, den Kopf freizubekommen.
Am nächsten Tag standen bereits die Partien gegen Litauen und Australien auf dem Plan. Diesmal wurden die Spiele über 18 Bahnen ausgetragen. Das Duell gegen Litauen war hart umkämpft und bis zum Schluss spannend. Trotz starker Würfe und großem Einsatz liefen uns am Ende die Bahnen davon und wir konnten unseren zunächst aufgebauten Vorsprung nicht halten. Mit zwei Punkten gewann am Ende das Duo aus Litauen.
Auch gegen Australien gelang es uns nicht, den entscheidenden Durchbruch zu schaffen, und wir mussten uns erneut geschlagen geben.
Am dritten und letzten Tag ging es im Spiel gegen die Gastgeber aus China. Von Beginn an konnten wir dominieren und waren erleichtert, als wir die Runde frühzeitig für uns entscheiden und das Turnier mit einem Erfolgserlebnis beenden konnten. Den Rest des Tages nutzten wir, um die Finalrunden der Top Teams mitzuerleben. Leider spielte das Wetter nicht mit, sodass wir einen Großteil der spannenden Partien von der Tribüne aus anschauen mussten.
Am darauffolgenden Tag hatten wir schließlich noch etwas Zeit, Land und Leute kennenzulernen und etwas von den anderen Sportveranstaltungen zu verfolgen. Nachdem wir am Vormittag den deutschen Faustballern zugeschaut hatten, machten wir uns am Nachmittag zu einem traditionellen Mittagessen mit HotPot auf. Die Bestellung dauerte zwar gefühlt eine halbe Ewigkeit, doch am Ende wurden wir mit einem köstlichen Essen belohnt.

Gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Jinli Road – einem lebhaften Marktviertel mit traditionellen Ständen, Mitbringsel und kulinarischer Eindrücke. Nach all den Reizen und Eindrücken waren wir jedoch schließlich froh, ins Hotel zurückzukehren, die Koffer zu packen, den letzten Abend zu genießen und uns langsam auf die Heimreise vorzubereiten.
Am Ende hat es nicht für einen Platz auf dem Podium gereicht, unser sportliches Ziel sehr früh schon verfehlt. Doch wir hatten großartige Spiele und eine unglaubliche Zeit zusammen. Wir haben Grenzen verschoben, Emotionen gespürt und jeden Tag alles gegeben. Wir haben gemeinsam gelitten, gelacht, gefeiert, geflucht – und sind als Team aus diesem Abenteuer rausgegangen.
Wir haben gespürt, dass unser Sport inzwischen auf der großen Bühne angekommen ist – und wir waren mittendrin!


