„Dassel ist ein Riesen-Event“

28.4.2011 | Ewald Tkocz. Liebe Dasseler, es soll immer noch Leute geben, die nicht bei euch waren. Für die schreibe ich diese Zeilen. Denn denen, die schon da waren, brauche ich nicht zu erklären, warum Dassel zu den beliebtesten Turnieren in Deutschland zählt. Können 123 Disc Golfer irren, die am Wochenende die Haus Solling Open gespielt haben? Nein. Können sie nicht.

Sie kommen aus …

… Rostock, Greifswald, Riesa und Berlin, aus Mainz, Rüsselsheim, Baden-Baden, Söhnstetten, Augsburg, Ulm und München, aus Köln, Lünen, Engelskirchen und sogar aus dem Harz, aus Hamburg und Bremen. Sie kommen, weil Dassel im Herzen Deutschlands liegt und aus allen Ecken des Landes in maximal fünf Autostunden zu erreichen ist.

Sie kommen wegen der beiden Kurse

„Ich liebe diesen Kurs“, sagt Dave Lizotte, der jedes Jahr kommt, „es ist alles da: Bahnen bergauf, Bahnen bergab, lange und kurze Bahnen, Bahnen im freien Feld und Bahnen im Wald.“ Und nicht zu vergessen: die beiden Inselbahnen zehn und 13 des gelben Kurses. Hier kannst du alles erleben. Vom „Eagle“ bis zu einem zweistelligen Ergebnis. Da gibt es doch tatsächlich Kerle wie Martin Jenny aus der Schweiz, die an der doppelten Inselbahn zweimal „einen Knüppel legen“, wie Axel Sieburg es ausdrückt, und die Scheibe anschließend nur noch zum „Eagle“ in den Korb zu stecken brauchen.

Sie kommen, weil der Parcours so herausfordernd ist

„Der vielleicht anspruchsvollste in Deutschland“, sagt Greg Marter. „Tricky“, sagt Simon Lizotte. „Superschwer“, sagt Michael Stelzer. „Nicht so anstrengend wie der Kurs in Söhnstetten“, sagt Axel Sieburg. Aber es sei eine „Kopfsache“, über Stunden und 32 Bahnen locker zu bleiben und dennoch die Aufmerksamkeit hoch zu halten, mit Leistungsschwankungen umzugehen. Und strategisch zu denken. Sozusagen einen „Masterplan“ für jede Bahn zu haben, sich auch auf die wechselnden Windbedingungen einzustellen wie am Wochenende. Bei kaum einem Kurs in Deutschland, den ich kenne, geht es darum, bei den Waldbahnen „Lücken“, Schneisen und „Fenster“ zu erspähen und die Risiken verschiedener Wurfoptionen – je nach dem Grad des eigenen Selbstbewusstseins und -vertrauens – abzuwägen.

Sie kommen wegen der Atmosphäre

Wo in Europa können schon so viele Spieler direkt am Kurs wohnen? Mitten im Grünen. Fernab vom Zivilisationslärm. Aufstehen. Kaffee trinken. Und sich auf einem Sessel in der aufgehenden Sonne mit Blick auf die ersten Bahnen optisch auf den Wettkampf einstimmen. „Warum macht ihr hier nicht eine Europameisterschaft?“ fragen die Schweizer. Sieben von ihnen haben sich aus Zürich und Bern auf den weiten Weg nach Dassel gemacht. So viele wie nie zuvor. „Ja, könnten wir“, sagt William Erdmann, „aber uns fehlen die Helfer.“

Sie kommen wegen der Dasseler

Axel, Leo, William, Martina, Xenia, Maya, die Jungs und Mädels am Getränkeausschank und der Essensausgabe, die Kerle hinter den Laptops, die zweimal am Tag 123 Scorecards überprüfen und die Daten eingeben, die Spotter an den unübersichtlichen Stellen des Parcours, all die vielen, vielen Helferinnen und Helfer, die mit anpacken, damit das Turnier gelingt. Damit alle 123 Spieler auf den Punkt mit Essen und Trinken versorgt werden. Damit sie einen perfekt präparierten Kurs vorfinden. Damit jeder mit der Unterkunft zufrieden ist. Vielen Dank, Leo. Du hast als Turnierdirektor einen prima Job gemacht. Sage nicht nur ich. Sagt Axel. Und der muss es ja wissen. Vielen Dank Axel, der du den jungen Leuten, die sich bei euch engagieren, immer noch mit Rat und (viel) Tat zur Seite stehst. Vielen Dank an Martina, Xenia und ihr Team für die Versorgung mit Essen und Trinken. Vielen Dank William.

Als ich vor einem Jahr Francesco Puliafito, den Grandseigneur des Schweizer Disc Golf, fragte, was er an Dassel besonders schätze, sagte er, ohne nachdenken zu müssen: „die Gastfreundschaft.“ Die Spieler kommen auch wegen der Gastfreundschaft. Wer hierher kommt, fühlt sich rasch aufgenommen in die Gemeinschaft, in die Großfamilie der Dassel-Fans. Dassel ist ein Riesen-Event. Sportlich. Gesellschaftlich. Abends zusammen sitzen. Am Lagerfeuer. Auf der Terrasse. In den Clubräumen des CVJM-Heims. Klönen, erzählen, feiern, sich wohlfühlen.

Sie kommen wegen des Turniers

Kein Turnier in Deutschland wird in diesem Jahr besser besetzt sein. Die meisten guten Spieler sind da. Und die, die nicht da sind, wie Michi, der zur Zeit in Shanghai arbeitet, wollen per Internet wissen, wie es ausgegangen ist, sind in Gedanken vor Ort. Eine solche Konkurrenz ist ziemlich einmalig. Warum richtet ihr nicht jedes Jahr die Deutsche Meisterschaft aus, wenn ihr schon einen solchen Aufwand treibt, fragen nicht wenige. Scheitert es am Preisgeld, das bei einer Deutschen Meisterschaft erwartet wird? In diesem Jahr gab es bei den Haus Solling Open keine Kohle zu gewinnen. Hat das jemanden gestört? Ich persönlich brauche keinen Cent, um an einer Meisterschaft dieser Qualität teilnehmen zu dürfen. Und warum dürfen, bitteschön, bei denen, die sich diesen Haufen Arbeit machen und viel Zeit investieren, auch nicht ein paar Euro hängen bleiben?

Liebe Dasseler,

vielen Dank für ein Turnier der Extraklasse, dessen Bilder jetzt, noch Tage später, im Kopfkino laufen. Die Begegnungen. Die Gespräche. Das viele Lachen. Die Highlights und Eseleien auf dem Kurs. Einfach unvergesslich.

123 Disc Golfer irren nicht. Bis nächstes Jahr! Bei den Haus Solling Open 2012 oder, wie ich mir wünsche, der Deutschen Meisterschaft 2012.

Euer Ewald

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