Sensationssieg von Kevin Konsorr in Lünen

6.10.2010 | Ewald Tkocz. Mein Anruf erreicht Kevin Konsorr und Sven Rippel – na wo schon? – auf dem Parcours in Lünen. „Wir spielen gerade die Finalbahnen“, erzählt Kevin. Keine 48 Stunden nach seinem sensationellen Sieg in Lünen lässt der 15jährige im Seepark schon wieder die Scheiben fliegen.

„Ich glaub’s immer noch nicht“, lacht Kevin, als ich ihn auf den Erfolg bei dem B-Turnier der GermanTour anspreche, „ich hätte nie im Traum daran gedacht, das Turnier zu gewinnen, wurfgleich mit Klaus Kattwinkel und noch vor Christian Plaue.“ Und natürlich ist Sven Rippel, gerade 16 geworden, an Kevins Seite. Die beiden Freunde trainieren nicht nur zwei- bis dreimal in der Woche zusammen, sie übten sich am Wochenende auch im „Synchronscoring“: 55, 54, 22. Ab der zweiten Runde lieferten beide identische Rundenergebnisse ab.

Den Unterschied machte die erste Runde. Kevin: „Ich war mächtig stolz, nach der ersten Runde fünf Würfe vor Sven zu liegen.“ Sven: „Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um ins Turnier zu finden. Kevin und ich waren für den Kurs verantwortlich. Wir haben alles vorbereitet. Und da war ich mit meinen Gedanken wohl noch nicht ganz bei der Sache.“

Erfolgsmodell NRW-Tour: 110 Teilnehmer – Sven Rippel gewinnt

Aber das lässt Sven Rippel nicht als Ausrede gelten; denn „ab der ersten Runde lief es rund.“ Und mit Platz drei in der Gesamtwertung, fünf Würfe hinter Kevin und Klaus Kattwinkel, konnte der EM-Finalist bei den Junioren gut leben.

Zumal er die Gesamtwertung der erstmals ausgetragenen NRW-Tour mit 128 Punkten (bei 7 Turnieren) vor Klaus Kattwinkel (97/5), Kevin Konsorr (90/5) und Hartl Wahrmann (90/6) gewann. Bei den Damen genügten Maya Erdmann zwei Turniere zum Gesamtsieg. Im übrigen: mit 110 Spielern und Spielerinnen war die NRW-Tour, die sieben Turniere umfasste, gleich ein Erfolgsmodell.

Das Jahr der Junioren: erste GT-Siege für Sven, Kevin und Marc

Wird man in einigen Wochen oder Monaten die Saison 2010 mit einigem zeitlichen Abstand betrachten, wird man sie vielleicht als das „Jahr der Junioren“ bezeichnen. Kevin Konsorr (Seepark Open), Sven Rippel (Glandorf) und Marc Mäding (Wental Challenge) feierten ihre ersten Gesamtsiege bei einem Turnier der GermanTour. Dominik Stampfer etablierte sich in der absoluten deutschen Spitze (bereits auf Rang fünf der Deutschen Disc Golf Rangliste), Sven Rippel erreichte bei seinem ersten Auftritt bei einer Europameisterschaft das Finale der besten vier Spieler. „Es war, sieht man einmal vom Turnier in Söhnstetten ab, ein ziemlich geniales Jahr“, zieht Sven Rippel zwei Wochen vor Saisonende Bilanz, „die EM in Frankreich war natürlich das absolute Highlight. Es war ein überwältigendes Erlebnis und ich war super stolz auf diesen Erfolg.“

Lob für Hartl und die Väter Josef Rippel und Michael Konsorr

Kevin und Sven wissen auch sehr gut, wem sie Dank schulden. „Hartl Wahrmann hat uns die Grundkenntnisse beigebracht“, sagt Kevin Konsorr, „er hat einen großen Anteil daran, dass wir nach nur drei Jahren Disc Golf auf diesem Niveau sind.“

Hartl Wahrmann hat die Fähigkeit, gute Spieler zu entwickeln und heraus zu bringen, wie damals Chris Voigt in Weilheim“, sagte Frank Hellstern vor einigen Wochen, als der Autor mit ihm über das Thema Jugendförderung im DFV sprach, „und ich bewundere Josef Rippel, dass er seinen Sohn überall hin begleitet.“ Das sieht auch Sven Rippel so: „Ohne Papa ginge gar nichts. Und deshalb hat er auch viel Lob verdient.“ Josef Rippel war in diesem Jahr mit seinem Sohn an der holländischen Nordsee- und der französischen Kanalküste, war nicht nur bei den GT-Turnieren in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Rüsselsheim und Eberswalde mit dabei.

Und auch Kevin Konsorr ist stolz auf seinen Vater Michael und dessen sportliche Fortschritte: „Letztes Jahr hat er bei den Seepark Open 160 Würfe für 36 Bahnen gebraucht, in diesem Jahr 151 auf den 42 Bahnen der ersten beiden Runden. Außerdem hat er den CTP-Wettbewerb an der Inselbahn mit 23 Zentimetern gewonnen.“ Mit dem „Drahtesel“, den ein Sponsor für den Sieger ausgelobt hatte, konnte Michael Konsorr nach der  „Turnier-Schicht“ gleich nach Hause radeln. Nein, Privatstunden gebe er dem Herrn Papa nicht, schmunzelt Kevin, „aber wir spielen oft mit unseren Vätern eine Runde und da geben wir ihnen schon mal den einen oder anderen Tipp. Wir sind nämlich die ‚Lünen Disc Golf family‘.“

Kattwinkel top – Auf und Ab bei Christian Plaue – Hartl Dritter

Drei Runden lang lieferte Klaus Kattwinkel eine Gala-Vorstellung, lag zu diesem Zeitpunkt auf dem Par 64-Kurs 31 unter Par und hatte bis dahin Christian Plaue um 18 und Hartl Wahrmann um 14 Würfe distanziert.  Selbst Kevin Konsorr schien mit acht Würfen Rückstand keine Chance mehr auf den Gesamtsieg zu haben. Doch ab dem Halbfinale war der Wurm drin. Der Engelskirchener büßte auf den neun Bahnen acht Würfe auf Kevin Konsorr und neun auf Christian Plaue ein. Damit lagen nach der vierten Runde Kevin Konsorr und Klaus Kattwinkel mit 191 Würfen gleichauf und erhielten beide 100 Punkte für die GT-Gesamtwertung, Klaus als Sieger bei den Open, Kevin als Gewinner bei den Junioren.

Bei Christian Plaue, dem Sieger von Worms, war an diesem Wochenende Unbeständigkeit Trumpf. Einer mäßigen Auftaktrunde (63), folgte am Samstag Nachmittag eine gute zweite (56). Leichte Startschwierigkeiten auch am Sonntag mit einer 60er-Runde, der der Grebensteiner dann jedoch das beste Halbfinal- und Finalergebnis folgen ließ, mit dem er Hartl Wahrmann noch vom zweiten Platz verdrängte. Felix Wiegand (Grebenstein) wurde Vierter.

Michael Voglmeyer gewinnt bei den Masters vor Jan Lückemeyer

Zum Ende der Saison wird Michael Voglmeyer (Nörten-Hardenberg) immer besser. Der Deutsche Meister von 2005 in der Masters-Klasse gewann in Lünen gegen Jan Lückemeyer, der zwei Runden lang geführt hatte und erst im Finale Voglmeyer den Sieg überlassen musste. Mit den 86 Punkten aus Lünen hat Michael in der GT-Gesamtwertung das Podest bereits ins Auge gefasst, liegt nur noch 0,54 Punkte hinter dem Drittplatzierten Ralph Lehmann. Ingo Schnieders und Ralf Winkelmann komplettierten den Final-Flight bei den Masters.

Kevin und Sven: im Doppelpack zur Europameisterschaft 2012?

Noch einmal zurück zu Kevin Konsorr und Sven Rippel. „Wir verstehen uns super, obwohl wir Konkurrenten sind“, sagt Kevin. Und Sven bestätigt: „Wir haben jede Menge Spaß im Training.“ Und wenn es nach den Wünschen der beiden Freunde geht, steht die deutsche Equipe bei den Junioren für 2012 bereits. Sven: „Wir wollen beide zur Europameisterschaft 2012.“

Ergebnisse
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Ergebnisse und Gesamtstand der NRW-Tour auf: www.discgolf-nrw.de

Bilder: Marvin Buermann
Redaktion: Matthias Masel

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