Kurs Ruhpolding: Hoch hinaus am Unternberg

30.08.2010 – Von Ewald Tkocz. Unternberg, Rauschberg, Kienberg, Zinnkopf – wer auf der Terrasse des Unternberg-Hofs sitzt, hat die herrliche Bergkulisse des Ruhpoldinger Tals vor Augen und – gleich nebenan – einen der jüngsten Disc Golf-Parcours in Deutschland. Heidi Ince und ihr Partner, Johannes Stief, haben am 13. Mai dieses Jahres die Anlage mit neun Bahnen auf 850 Meter Höhe eröffnet. Auf den ersten Blick drängen sich Vergleiche auf mit den Kursen in Ofterschwang oder Söhnstetten. Aber der Kurs in Ruhpolding auf naturbelassenen Wiesen, auf denen sich im Winter Skifahrer und Snowboarder tummeln, hat seinen ganz eigenen Charakter.

Wer am Abwurf der 63 Meter langen Bahn eins steht, ist versucht, den Parcours auf den ersten, oberflächlichen Blick, als leicht einzustufen. Doch bereits hier zeigt sich: Wer den Drive nicht exakt trifft, das Mandatory (eine Liftstütze) verfehlt, erlebt an den abschüssigen Berghängen überraschende Flugeinlagen seiner Scheiben. Bahn drei stellt den Spieler bereits vor ein weiteres, kniffliges Mandatory. Die Scheibe muss erst durch einen Liftträger gespielt werden, ehe die Bahn nach rechts an die Hangkante abknickt. Birdie? Wenn, dann nur für absolute Könner. Dasselbe Spiel an der 85 Meter langen Bahn vier. Nach etwa fünfzig Metern muss, relativ steil bergauf, ein weiterer Liftträger durchspielt werden. Der Korb steht hinter einer hohen Baumreihe versteckt am Waldrand, hinter dem das Gelände wieder abfällt. Hier sind bei der Annäherung Kunstwürfe gefragt …

Bahn fünf, 88 Meter, wieder bergauf. Ist das so steil wie in Söhnstetten der Aufstieg zum Abwurf von Bahn acht? Ist es. Birdiechance nur für Spitzenspieler, die die Scheibe 85, 90 Meter steil bergauf zimmern können. Die „Pumpe“ läuft bereits auf Hochtouren. Doch es ist ein weiterer Aufstieg zum Abwurf von Bahn sechs nötig. Puls am Anschlag. Erste, leicht angesäuerte Rückmeldung der Wadenmuskulatur. Und hier wird’s richtig interessant. Die Bahn: 150 Meter lang. Ein langer, mindestens 140 Meter langer Drive durch die enge Lifttrasse, rechts und links dichtes Gehölz. Geile Bahn! Auch hier eine originelle Korbposition, wie an Bahn vier, 270 Grad abweichend von der Abwurflinie rechts hinter einer dichten Baumreihe.

80 Meter Höhenunterschied – beim Turnier 140 Meter

Bahn sieben, wieder gipfelwärts kraxeln. 144 Meter. Wieder zwei heftige Drives bergauf und hoffen, dass der zweite in Korbnähe landet. Nun ist der höchste Punkt des Kurses erreicht. Erst einmal verschnaufen. Bahn acht ist zwar nur 73 Meter lang, aber der Korb steht unmittelbar hinter einem Lifthäuschen. Wessen Scheibe hier ins Rollen kommt, hat möglicherweise eine Annäherung von 50, 60 Metern bergauf zu spielen. Danach das Highlight: Bahn neun, 180 Meter lang. Vergleichbar mit Bahn zwölf des Albuch Classic-Kurses, nur dass der Hang „andersherum“ hängt. 37 Meter Höhenunterschied. Wahnsinn, die Scheiben so lange segeln zu sehen. Bei Wind ist hier alles möglich, rasche Abstürze oder Flugkurven, die nicht zu enden scheinen. Die Kurslänge beträgt insgesamt 966, der Höhenunterschied 80 Meter. Durchschnittliche Bahnlänge: Satte 107 Meter.

GermanTour-Premiere am 25. September: Wer spielt noch mit?

Heidi Ince veranstaltet auf diesem Parcours am 25. September ein C-Turnier der GermanTour. Dafür wird der Kurs um drei weitere Bahnen erweitert. Die Kursbetreiberin: „Da kommen noch einmal 60 Höhenmeter dazu.“ Drei Runden à 12 Bahnen. Dieses Turnier wird den Spielern, vor allem konditionell, alles abverlangen, das ist bereits jetzt klar. Die Ruhpoldingerin hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Turnier stattfinden kann, obwohl sich bis zum 30. August erst neun Spieler angemeldet hatten. Als „deadline“ hat sie sich den 12. September gesetzt. Erst, wenn sich bis dahin nicht genügend Disc Golfer angemeldet hätten, würde Heidi Ince das Turnier absagen: „Es wäre toll, wenn auch Spieler aus dem benachbarten Österreich den Weg zu uns finden würden. Es waren bereits einige Disc Golfer aus Salzburg da und haben den Kurs getestet.“

21 Jahre hat Oberbayern nun auf den zweiten Disc Golf Parcours gewartet, nachdem Hartmut Wahrmann 1989 in Weilheim die erste fest installierte Anlage in Deutschland aufgestellt hatte. Da wäre es doch recht und billig, wenn die Betreiber des Ruhpoldinger pay-to-play-Kurses (5 Euro für Erwachsene, 3,50 Euro für Kinder) ebenso viel Unterstützung von Spielern aus Süddeutschland erhielten, wie 2009 Paul Davies in Ofterschwang.

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