Lizotte und Kobella dominieren Ostpark Open

24.5.2010 – Von Ewald Tkocz. Es gibt seit den 5. Ostpark Open eine neue Einheit, um den Wurfabstand zwischen zwei Disc Golfern zu messen: ein Lizotte, abgekürzt: ein SL. Ein SL beträgt 20 Würfe. Und mit 1,2 Lizotte Vorsprung gewann der 17jährige Bremer das Jubiläumsturnier der Scheibensucher Rüsselsheim. Nein, im Ernst. Es fehlt dem Chronisten an Steigerungsmöglichkeiten, wenn es darum geht, die Überlegenheit des „German Wunderkind“ mit kanadischen Wurzeln im deutschen Disc Golf- Sport zu beschreiben. Als der Fan des SV Werder Bremen im Vorjahr im Ostpark mit 17 Würfen Vorsprung auf Jan Bäss gewann und Michael „Ede“ Hamann ihn als „Außerirdischen“ bezeichnete, der „Disc Golf wie vom anderen Stern zelebriere“, hatte der Komparativ der deutschen Sprache ausgereizt. Wie also sollte man einen Vorsprung von 24 Würfen kommentieren? Als intergalaktisch?

Bestbesetztes Turnier nach der DM in Deutschland

Es wurde einmal mehr deutlich, dass Simon in der Verfassung von Rüsselsheim keine Konkurrenz in Deutschland zu fürchten braucht und deshalb verständlicherweise im Sommer seine Herausforderungen auf den schwedischen Parcours in Stockholm und Skelleftea mit den besten Skandinaviern und Mitteleuropäern suchen wird. Und es lag sicher nicht daran, dass keine Konkurrenz da gewesen wäre. Als auch noch der Deutsche Vizemeister Kurt König unangemeldet im Ostpark auftauchten, war klar, dass Rüsselsheim nicht nur die beste Party, sondern auch das bestbesetzte Turnier in Deutschland 2010 nach der Deutschen Meisterschaft in Dassel bieten würde. Es fehlten lediglich die Delisles und Brauns aus Berlin.

13 Würfe Vorsprung für Michael Kobella bei den Masters

Da auch Michael Kobella die Masters-Konkurrenz nach Belieben dominierte und mit 13 Würfen Vorsprung auf Martin Fohlert gewann, beschränkte sich die Spannung des Turniers auf die Positionskämpfe hinter den Ausnahmespielern. Heiß umkämpft waren die Finalplätze. Dass mit Michael Cohrs und Frank Brügmann ausgerechnet zwei Braunschweiger um den fünften Finalplatz stechen mussten, entbehrte nicht einer gewissen Tragik. Doch die beiden nahmen es freundschaftlich und entspannt. „Wer verliert, sitzt bei der Rückfahrt am Steuer, der andere darf ein Bierchen trinken“, beschrieb Frank Brügmann die Abmachung. Brügmann schaffte an Bahn fünf das Birdie und damit das „Bier-die“ und erwies sich als würdiger Finalist mit intelligenter und taktisch kluger Spielgestaltung. Freilich waren die Abstände schon zu groß, um Klaus Kattwinkel – das wievielte Finale „Mister GermanTour“ spielte, weiß nur Sportdirektor Frank Hellstern, bestimmt über 60 – auf Platz vier zu gefährden. Christian Plaue aus Grebenstein bestätigte in Rüsselsheim seine tolle Leistung bei der Deutschen Meisterschaft in Dassel, wo er Dritter war, und verwies Kurt König bei den Ostpark Open diesmal auf Platz drei.

Bei den Masters rangen gleich drei Scheibensucher um einen Finalplatz. Rick Spear hatte am Ende die Nase vorn und vervollständigte den Top Flight mit Michael Kobella, Martin Fohlert und Frank Buchholz. „Rick hat es verdient, weil er sehr konstant gespielt hat und außerdem ein wunderbarer Kerl ist“, gratulierte Michael Hamann seinem Vereinskollegen. „Ede“ konnte als Fünfter in einer erstklassig besetzten Konkurrenz mit nur einem Wurf Rückstand auf Rick Spear ebenso zufrieden sein wie Michael Malz, der Platz sechs belegte. Michael Kobellas überlegener Sieg bei den Masters überrascht nur auf den ersten Augenblick. „Ich habe zuletzt viel trainiert und vor allem auch mein Putt-Spiel verbessert“, sagte der Augsburger nach dem Turnier. Wer ihn ein bisschen kennt, weiß, dass sein Augenmerk bereits auf der EM in drei Monaten ruht. „Doch auch wenn der Vorsprung groß war, ist hier in Rüsselsheim noch nicht alles rund gelaufen“, sagt er und fügt, auf seine Aussichten bei der EM angesprochen, vorsichtig an: „Ich nähere mich der EM-Form an.“

Martin Fohlert: Anwärter auf den GermanTour-Sieg

Der Überraschungs-Zweite Martin Fohlert mausert sich wiederum zu einem ernsthaften Anwärter auf den GermanTour-Sieg 2010 bei den Masters. Im Vorjahr bereits Zweiter der Gesamtwertung, hat der Ulmer in dieser Saison bereits drei Klassensiege bei C-Turnieren (Waldschwimmbad Open, Advanced Approach & Putt Turnier in Söhnstetten, Ofterschwang) und zwei zweite Plätze bei den B-Turnieren in Hesselbach und Rüsselsheim auf seinem Konto.

Tanja Hölls tolle Aufholjagd bringt ihr den Sieg

Es gab auch noch weitere Überraschungen – siehe Frank Brügmann. Bei den Damen machte Tanja Höll im Finale einen Rückstand von vier Würfen auf die Deutsche Vizemeisterin Christine Hellstern (Oberkirch) wett. „Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich gleichgezogen hatte“, schilderte die sympathische Augsburgerin. Vermutlich kein Nachteil. So fiel die Entscheidung beim Putt an der letzten der neun Finalbahnen zu ihren Gunsten. Zwei Divisionssiege für die Discgolfguerilleros aus Augsburg. Was für ein Tag! Natalie Mossig aus Reutlingen wurde Dritte vor Julia Human aus der Schweiz.

Überraschungssieg von Sven Rippel bei den Junioren

Bei den Junioren wiederum strahlte Sven Rippel nach seinem Erfolg über den Deutschen Meister und GermanTour-Sieger Dominik Stampfer (Heidenheim) wie ein Honigkuchenpferd. Es war der zweite große Erfolg des Lüneners nach Kellenhusen 2009. Für den, der die Auftritte des 15jährigen im zweiten Halbjahr des Vorjahres und zuletzt in Eberswalde, Dassel und Rijswijk verfolgt hat, ist das keine Überraschung. Da „Lokalmatador“ Robin Holighaus wegen seiner Konfirmation am Samstag nicht starten konnte, sprang Panagiotis Guschakowsky für ihn in die Bresche und holte als Dritter einen Podestplatz für die Scheibensucher. Dominique Saloff wurde Vierter.

Puliafito: ein Senior Grandmaster düpiert die Grandmaster

Bei den Grandmastern hatte Senior Francesco Puliafito aus der Schweiz alles im Griff. Der Vize-Europameister gewann überlegen vor seinem Landsmann Benjamin Schneider, der einen rabenschwarzen zweiten Tag erwischt hatte, Ewald Tkocz (Geislingen) und Scheibensucher Wolfgang Walter. Franco wird demnächst wieder das Training für den nächsten Halbmarathon aufnehmen und bringt sich bereits in Schwung für die Europameisterschaft im August in Pas-de-Calais (Frankreich). Wer das Glück hat, mit ihm eine Runde zu spielen, zweifelt keinen Augenblick daran, dass er auch seinen nächsten großen Traum, die Teilnahme an der Legend-Weltmeisterschaft in den USA, verwirklichen wird.

Traumwetter – Daniel Küblböck Zaungast beim Open Air

Die 5. Ostpark Open sind Geschichte. Aber sie werden lange in Erinnerung bleiben. Auch wegen des Wetters. Wer sich Rüsselsheim am Freitag Nachmittag aus Süden näherte, erlebte am Walldorfer Kreuz den „Sonnendurchbruch“ und Temperaturen über 20 Grad. Sonne, blauer Himmel, traumhafte Bedingungen im wunderschönen Ostpark. „Wir haben hier Schönwetter-Garantie“, versicherte Michael Hamann beim Players Meeting.

Doch in Rüsselsheim haben auch Kultur, die Lust zu feiern und tolle Stimmung Hochkonjunktur. Die 80 Teilnehmer wissen, warum sie seit Jahren hierher kommen. Sogar Daniel Küblböck, 2003 Dritter beim Wettbewerb „Deutschland sucht den Superstar“, war beim Open Air-Konzert Zaungast. Der 24jährige Sänger betreibt in Rüsselsheim eine Künstler-Agentur, stets auf der Suche nach Nachwuchstalenten.

Ausbalancierter Parcours – Open-Finale mit „Ur-Bahnen“

Der Parcours weist eine fantastische Mischung aus langen Bahnen mit gepflegten Fairways und anspruchsvollen Aufgaben im Wald mit ganz engen Schneisen und kleinen „Fenstern“ auf. „Ein ausbalancierter Kurs“, urteilt Linkshänder Bill Kelton, der es genießt, im Ostpark gepflegte Roller spielen zu können, wie sonst nur in Berlin.

Auch ein Schuss Verrücktheit gehört zu den Ostpark Open. Das Finale der Open-Klasse wurde zum Teil auf „Ur-Bahnen“ ausgetragen, die sich Michael Hamann und Turnierdirektor Uwe Kleinböhl vor einem Vierteljahrhundert ausgedacht hatten. Kurios, spektakulär, mit irrwitzigen Doglegs und Mandatories. So mussten die Open-Finalisten zum Beispiel das Überbleibsel aus Beton einer einstigen Kunstausstellung, in Form einer Tischtennisplatte oder kleinen Brücke durchspielen.

Thöne/Plaue Doubles-Sieger – Malz/Dziemballa Zweite

Den Doubles-Wettbewerb gewann das Grebensteiner Duo Andreas Thöne und Christian Plaue mit 56 Würfen. Nur einen Wurf dahinter teilten sich die Scheibensucher Michael Malz und Volker Dziemballa sowie Klaus Kattwinkel (Engelskirchen) und Danny Stephens (Montabaur) Platz zwei. Die Teilnehmer bedankten sich mit riesigem Applaus bei der Siegerehrung für ein wunderschönes Turnier. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben, eines der schönsten Turniere in Deutschland zu gestalten! Bis nächstes Jahr!

Ergebnisse unter discgolf.de/GermanTour-Ergebnisse

© 2010-2017 Deutscher Frisbeesport-Verband e.V. (DFV)