Regelanpassung 2018

Die neuen Disc-Golf-Regeln 2018 – Zusammenfassung von Frank Neitzel

Navigation:
Stand: Rechteck statt Linie
Standfehler: der Wurf zählt
Pflichthindernis: vereinfachte Definition
Übungswurf: die normative Kraft des Faktischen
Störeinwirkung: gilt jetzt auch unabsichtlich

Ein neues Regelwerk: Keine einfache Aufgabe

Nach einer Ruhepause von fünf Jahren (was historisch betrachtet in etwa dem normalen Regelzyklus der PDGA seit 1978 entspricht) haben das PDGA-Regel- und das Wettkampf-Komitee wieder eine Neufassung der Regeln und des Turnierhandbuches vorgelegt, das ab 01.01.2018 gelten soll.
Auffällig ist bei erster Betrachtung vor allem der größere Umfang der Neuauflage. Hatte das auslaufende Regelheft in der englischen Ausgabe noch 42 Seiten, so sind daraus jetzt 60 geworden. Hinzugekommen sind unter anderem die Regeln für das Team- und Matchplay, die allerdings teilweise auch schon außerhalb des Regelheftes veröffentlich waren. Zudem wurde das Frage-und-Antwort-Kapitel, in dem die oft knappen Formulierungen aus dem Regelteil nochmals erläutert werden, auf jetzt 86 Fragen fast verdoppelt, womit es nun beinahe so viel Platz einnimmt wie der eigentliche Regeltext.

Abgesehen von den umfangreichen Ergänzungen enthält das neue Heft zwar insbesondere im Falle des Regelteils ein hohes Maß an Neuformulierungen oder Umstellungen von Passagen inklusive vieler kleinerer Änderungen, im Grunde aber wenig oder nichts revolutionär Neues. Was bei einem über mehr als 40 Jahre ‚gereiften‘ Werk vielleicht auch nicht zu erwarten ist.

Dennoch wird es von den Autoren als ein ‚großer Schritt vorwärts‘ gepriesen, als eine bedeutende Überarbeitung mit ausschließlich notwendigen Änderungen. Aber obwohl diese Überarbeitungen nach eigenem Bekunden das Ergebnis langjähriger Diskussionen und reiflicher Überlegung sind, werden sie teilweise schon kontrovers diskutiert. Was wiederum verdeutlicht, dass das Regel-Komitee keine leichte Aufgabe hat. Driften doch die Interessen innerhalb der Disc-Golf-Spielergemeinde mit der zunehmenden Professionalisierung des Sports immer weiter auseinander und machen es somit auch immer schwieriger, allgemeinverbindliche Regelungen zu finden, die den einen nicht zu streng oder formell sind und die für die anderen nicht eine Einladung zu Missbrauch oder nicht zu ahndender Vorteilsnahme darstellen.

Aber unabhängig davon, wie man die Änderungen bewertet, werden sie in wenigen Wochen für alle DFV-Turniere verbindlich sein. Und zumindest einige davon sind so bedeutend, dass sie nicht zu kennen für die Turnierteilnehmer relativ schnell zu peinlichen Situationen, verpassten Vorteilen oder unerwarteten Strafwürfen führen dürfte.
Es ist somit von Vorteil, sich bis zur Einführung 2018 mit den Regeländerungen zu beschäftigen oder den Anlass zu nutzen, um überhaupt einmal mal einen Blick in die Regeln zu werfen.

Zunächst einmal aber noch ein paar Informationen zum voraussichtlichen Fahrplan zur Einführung des neuen Regelwerks.

Die Regeln in Englisch

Gemäß der PDGA werden die neuen Regeln für alle PDGA-Turniere am 01.01.2018 in Kraft treten. Eine digitale englische Version von Regelheft und Turnierhandbuch ist bereits unter

https://www.pdga.com/pdga-documents/rules/rules-history/pdga-2018-rule-book

https://www.pdga.com/pdga-documents/rules/rules-history/pdga-2018-competition-manual

herunterzuladen.

Das kombinierte Regel- und Turnierhandbuch ist bei der PDGA auch unter

http://www.pdgastore.com/store/accessories/media/books/pdga-rulebook-competition-manual-v2018.html

käuflich zu erwerben.

Einführung der Regeln in Deutschland

Für die Einführung der Regeln in Deutschland sind natürlich eine deutsche Übersetzung und das Vorhandensein einer deutschen Version des Regelhandbuchs sehr wünschenswert.
Für die Übersetzung hat sich bereits ein deutsch-österreichisch-schweizerisches Team gefunden, das eine gemeinsame deutschsprachige Textausgabe aller drei Verbände erarbeiten wird. Allerdings wird es wegen des hohen Arbeitsaufwandes nicht möglich sein, die Aufgabe zum 01.01.2018 komplett zu bewältigen.
Mit der Veröffentlichung der deutschsprachigen Onlineversion ist bis Mitte Januar, mit dem Druck der Regelhefte bis Februar zu rechnen.

Die Disc-Golf-Abteilung wird bis Ende März jedem Verein eine seinen gemeldeten Mitgliedern entsprechende Anzahl von Regelheften zur Verfügung stellen, so dass jeder organisierte Disc Golfer diese bis Anfang April auch in Heftform vorliegen hat.
Dasselbe gilt für die deutschen PDGA Mitglieder, sofern sie nicht in einem DFV-Verein organisiert sind.
Im Gegenzug wird die PDGA die Kosten für die Übersetzung der Regeln und den Druck des Regelheftes in deutscher Sprache übernehmen.
Fragen zur Einführung der deutschen Regeln bitte an birdie@discgolf.de

Stand: Rechteck statt Linie (802.05D)

Seit 1990 galt für den Stand bei einem Wurf von einer markierten Lage aus: der Fuß (oder ein anderes Körperteil, falls damit der Körper gestützt wird) muss beim Abwurf eine imaginäre Linie berühren, die sich vom rückwärtigen Ende der Markerscheibe 30 cm nach hinten erstreckt.
Jetzt wurde die Breite dieser imaginären Linie von theoretisch 0 cm auf 20 cm erweitert, so dass aus der Linie ein imaginäres Rechteck von 30 cm Länge und 20 cm Breite wird.
Für den korrekten Stand gilt somit: Zum Zeitpunkt des Abwurfs muss sich zumindest ein Abstützpunkt des Spielers innerhalb dieses Rechtecks und kein Abstützpunkt darf sich davor (d.h. näher zum Ziel)

befinden.
Der Vorteil der neuen Regelung liegt für den Werfer vor allem darin, dass das Risiko, bei einem Wurf mit Anlauf, bei dem naturgemäß die Wurfbewegung und nicht das Aufsetzen des Fußes im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, einen Standfehler zu begehen, geringer ist, sofern er mit dem Fuß auf die Mitte und nicht auf den Rand der Abwurfzone ‚zielt‘. Und das dürfte bei den meisten Würfen aus dem Fairway wohl der Fall sein. Erst wenn der Spieler aus der neuen Regelung einen Vorteil ziehen und den seitlichen Spielraum von 10 cm nutzen möchte, taucht das Problem wieder auf, vielleicht sogar in verschärfter Form. Allerdings ist zu vermuten, dass in dieser Situation in vielen Fällen kein Anlauf benötigt oder genommen wird, so dass die Position des Fußes bewusst gesetzt wird und kontrolliert werden kann.
Unter dem Strich stellt die neue Regelung zur Wurfzone somit eine Entlastung des Werfers dar und verringert die Fälle von Standfehlern bei Würfen mit Anlauf.

Standfehler: der Wurf zählt. (802.07)
Im Gegenzug zur Erweiterung der Standzone wurde jedoch die Regelung zur Bestrafung von Standfehlern verschärft.
Bisher galt: Ein Standfehler (sofern er von einem Gruppenmitglied angezeigt und in der Gruppe mehrheitlich bestätigt wurde) führte zu einer Verwarnung. Der aus der Standverletzung resultierende Wurf war ungültig und musste wiederholt werden.
Jetzt gilt: Ein Standfehler (sofern er von einem Gruppenmitglied angezeigt und in der Gruppe mehrheitlich bestätigt wird) wird automatisch mit einem Strafwurf belegt. Der aus dem Standfehler resultierende Wurf bleibt gültig.
Allerdings: Geht ein Wurf, der aus einem Standfehler resultiert, ins Aus (OB), verfehlt ein Pflichthindernis oder geht verloren, wird der Spieler dennoch nur mit einem Strafwurf bestraft (den für den Standfehler). Die Strafe für den Wurf ins Aus etwa wird erlassen, da ein Wurf nur mit höchstens einem Strafwurf belegt werden kann. Nichtsdestotrotz muss der Spieler dort weiterspielen, wo er gemäß der OB-Regelung seine neue Lage hat.

Pflichthindernis : vereinfachte Definition (804.02 A,B)

Eine der am schwierigsten zu verstehenden Regelungen ist die zum Pflichthindernis (Mandatory). Schuld dabei war nicht zuletzt eine Passage aus den Regeln, wonach eine Linie, die alle Lagen an dieser Bahn verbindet auf der richtigen Seite des Pflichthindernisses vorbeiführen muss. Diese irreführende und überflüssige Passage ist nun gestrichen.

Zudem wurde die Regelung dahingehend vereinfacht, dass für die Entscheidung, ob ein Wurf ein Hindernis verfehlt hat, ist nur noch relevant ist, was auf der ‚falschen‘ Seite des Hindernisses passiert. Dementsprechend wurde auch die Hindernislinie, die darüber entscheidet, ob ein Hindernis verfehlt wurde, nur noch für die ‚falsche‘ Seite des Pflichthindernisses definiert.

Es gilt: wenn ein Wurf die Hindernislinie in Richtung vom Abwurf zum Ziel überquert und nicht wieder zurückfliegt oder zurückrollt dann ist das Pflichthindernis verpasst und der Spieler muss mit einem Strafwurf von der Drop Zone weiterspielen, oder (wenn es keine Drop Zone gibt) seinen Wurf wiederholen. Überquert ein Wurf die Hindernislinie zum ersten Mal in umgekehrter Richtung (d.h. hat der Wurf oder der vorhergehende Wurf das Pflichthindernis auf der richtigen Seite passiert und fliegt nun auf der falschen Seite, d.h. der Seite der Hindernislinie, zurück), darf die Hindernislinie mit dem darauffolgenden Wurf auch in Richtung vom Abwurf zum Ziel überworfen werden.

Übungswurf- oder: die normative Kraft des Faktischen (809.03 A,B)
Offensichtlich ist in Disc-Golfer-Kreisen das Verhalten, eigene Scheiben nach getaner Arbeit noch ein kurzes Stück in Richtung Tasche zu werfen oder die gefundenen Scheiben anderer diesen nicht regelgerecht zu übergeben, sondern sie ihnen oder ihrer Tasche zuzuwerfen, derart omnipräsent, dass sich die bisherige Regelung zu Übungswürfen, nämlich, dass dieses Verhalten jeweils mit einem Strafwurf zu belegen wäre, nicht durchsetzen ließ. Nur so ist es wohl zu erklären, dass die bisherige Definition des Übungswurfes aufgeweicht wurde.
Bisher galt jeder Wurf der weiter als 2 m flog und die Lage nicht verändern konnte, als Übungswurf. Nun wurde zwar die 2m-Grenze abgeschafft, aber Würfe von der Regelung ausgeschlossen, die weniger als 5 m weit fliegen und die dazu dienen, eine nicht benötigte Scheibe weg- oder zurückzulegen oder die Scheibe eines Mitspielers an diesen zurückzugeben.
Wohlgemerkt: es müssen beide Bedingungen erfüllt sein: kürzer als 5 m und der Zweck der Rückführung der Scheibe. Ist nur eine der beiden Bedingungen erfüllt, handelt es sich um einen Übungswurf, der einen Strafwurf nach sich zieht.

Störeinwirkung – gilt jetzt auch unabsichtlich (810 E,F)
Die Regel zur Störeinwirkung (Interference) wurde um einen Paragraphen ergänzt. Verändert ein Spieler oder seine eigene Ausrüstung die Bewegung der von ihm selbst geworfenen Scheibe (etwa indem diese gegen seine eigene Tasche rollt) erhält er wegen unabsichtlicher Störeinwirkung nun einen Strafwurf. Verändert ein Spieler absichtlich den Flug oder Lauf einer Scheibe (unabhängig davon, ob es seine eigene oder eine fremde ist) erhält er weiterhin zwei Strafwürfe.