dr.delay

Die etwas andere Kolumne

dr.delay und seine Berichte sind vielen ein Begriff. Stets mit einem Augenzwinkern und nicht immer politisch korrekt ist sein Stil.

Nun hat er sich bereit erklärt, diese Kolumne gelegentlich mit Leben zu erfüllen.

(Die Inhalte der Artikel spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung des Vorstandes und der Abteilungsleitung wider.)

Disc Golf Nerds

 Ultimate: Da findet man in einem durchschnittlichen Westpack-Rucksack eines Ultimaters ein Handtuch, ein Wechsel-T-Shirt und zwei Pflaster.

Freestyle: Da findet man in einem durchschnittlichen Retro-Rucksack eines Freestylers eine 160 Gramm Sky-Styler mit dem Aufdruck: „Jam in Hamm, twentyfifteen“, zweiundfünfzig Kunstfingernägel (meist der Marke „french surprise“), zwei zerschnittene Joghurtbecher (gutes, weißes deutsches Plastik), eine Nagelfeile und zwei Tuben Superkleber (der Marke Gorilla).

Disc Golf: Da findet man in einem durchschnittlichen Mega-Rucksack der Marke „für alle Fälle Stefanie“ (erhältlich sowohl bei Crosslapdance und Discleptomania) neben 38 Discs (inklusive vier Puttern und einer total instabilen MD), einen Laser-Entfernungsmesser, einen Greifstab (ausfahrbar auf 4,75 m), vier Müsli-Riegel (zuckerfrei), zwei PDGA-Regelbücher (in Einschlagpapier eingewickelte Ausgaben 2018 und 2013, zwecks Abgleich), zwei Ersatz-Marker, drei Kugelschreiber (im wasserdichten Gefrierbeutel), den Walkchair Discgolf 3000, drei Ibos (600er), einen Energy-Drink (Werbeaktion von White Cow Austria, mit mehr Koffein), ein Lippenbalsam (Geschmacksrichtung Kirsche, weil: der schmeckt nicht so künstlich), eine Globetrotter-Regenvollausstattung, einen manuellen Golf Scorekeeper, ein Handy (mit drei verschiedenen Scorekeeper-Apps), eine 2014er PDGA-Plakette (da vergessen wurde, die Mitgliedschaft per Click zu verlängern), einen zerknitterten Flyer „Was ist Disc Golf?  –Bringen auch Sie diesen Trendsport in ihre Gemeinde“ und zwei vergilbte Kurspläne längst vergessener Disc Golf Parcours.

dr.delay 02-2018

 

Disc Golf, Freestyle oder Ultimate, keine Frage – oder doch?

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht herauszufinden, welche dieser drei Disziplinen sich der größten Beliebtheit erfreut (sorry, DDCler und Frisbee-Doggers, euch habe ich jetzt einfach mal unterschlagen), weil es alles das gleiche ist, nein: des gleichen Spielgeräts bedarf. Is´ so! Ob ihr wollt oder nicht, eingebildete Ultimater, besser wissende Disc Golf Nerds oder dauerabgehobene Freestyler. Wir sind alle Frisbee-Spieler, eine Familie!

Kommt mal ´runter von eurem Tee, weg aus eurer Endzone und macht mal kurz die Musik für eure Freestyle-Kür aus? Herhören: Es ist das, was uns verbindet, nicht, das was uns trennt, was ich mal aussprechen will. (Ich weiß wovon ich rede, als ehemaliger Ultimater, Freestyler und jetziger Disc Golfer.)

Wir alle finden es (Dieter Bohlen würde sagen:) Mega, wenn so´n Plastikdings durch die Luft segelt, am „invisible string“ gezogen, sich seinen Weg durch die Atmosphäre bahnt. Egal, ob am anderen Ende ein Mitspieler fangen, der Korb endlich den dämlichen Putter aufnehmen oder der Bodyroller nicht schon herunterfallen soll.

Wir sind Frisbeespieler, weil ein Frisbee nun mal das geilste Sportgerät ist, wo gibt, wie Loddar kommentieren würde. Also ruhig mal die Stirnband umrankte oder unter einer Cap versteckte Rübe nach links und rechts werfen und den anderen Frisbeekollegen zuschauen. Ultimate-Spiele sind echt spannend, ein 120m-S-Kurven-Katana-Blizzard-Drive geworfen lässig und ein Helicopter-Catch einfach groovy (wie man in meinem Jahrzehnt zu sagen pflegte).

Würd mich freuen, wenn ich mal mit dem einen oder anderen Ultimater oder Freestyler ´ne Runde golfe.

dr.delay 01-2018