Die 28. Deutsche Meisterschaft in und um Wolfenbüttel

IMG_4127_Snapseed_filtered3.10.2013 | Stefan Brandes. Wo fängt man an, wo hört man auf? Auch ein paar Tage nach der DM 2013 fällt es mir nicht so leicht, einen Bericht über das Event zu verfassen. Zu viele Gedanken schwirren noch immer durch den Kopf, von Donnerstag bis Sonntag sind schließlich so viele Dinge passiert, die man einfach erst nach und nach verarbeiten kann.

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Einige der knapp 120 Starter waren vorab skeptisch und haben sich und uns die Frage gestellt: Was soll das denn nur für ein DM-Format sein? Erst eine Weitwurf-DM, dann drei Pools auf neun unterschiedlichen Parcours an zweieinhalb Tagen, abschließend noch die Finals in Wolfenbüttel. Wir hätten es uns einfach machen können – manche Spieler hätten sich sicher darüber gefreut – und die DM auf höchstens zwei oder drei Anlagen veranstalten können. Ganz bewusst wollten wir aber die ganze Disc-Golf-Region einbeziehen, denn die Zusammenarbeit der Tee-Timers mit den Städten und Gemeinden im Umkreis hat Süd-Ost-Niedersachsen zu dieser hohen Parcours-Dichte verholfen. Da ist es aus unserer Sicht selbstverständlich, dass wir den Wünschen, als Veranstaltungsort bei der DM dabei zu sein, gerne nachgekommen sind, wir haben ein paar ob der Fahrerei murrende DM-Spieler gern in Kauf genommen.

Los ging es am Donnerstag für ca. 50 Aktive mit der Weitwurf-DM am Exer in Wolfenbüttel. Organisator Manfred Mund, Vermessungsingenieur Michael Baranowski und die Crew haben zentimetergenau gemessen, die Ergebnisse sind hier zu studieren:

http://dm.discgolf.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/DM2013_Weitwurf.pdf

Carsten Richter hatte bereits am Vorabend die Sieger der Weitwurf-DM mit eigens von seinen Konditoren kreierten Biskuit-Torten in Scheiben-Form begeistert, am Freitag (und Samstag) sorgte die Altstadtbäckerei Richter aus Wolfenbüttel bei allen Aktiven auf den Parcours für strahlende Gesichter. Solche Lunchpakete mit belegten Brötchen, Kuchen, Laugenkastanien, Äpfeln und Apfelschorlen suchen ihresgleichen, Hartl Wahrmann sprach abends aus, was nicht wenige dachten: „Bei dieser DM nimmt man definitiv nicht ab.“ Für Turnierdirektor Stefan Horstmann und Kursdirektor Björn Beischall war der Transport der 70 Taschen auf die Insel in Salzgitter eine echte Herausforderung: Björn belud seinen Corsa, der ohnehin schon mit Turniermaterial voll beladen war, bis unters Dach, für Horsti gab es da nur noch ein ganz kleines Loch zum Atmen.

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Dr. Ulrich Specht und Daniel Mohwinkel hatten zeitgleich in Ilsede ganz andere Probleme. Sie trauten ihren Augen kaum, als sie feststellten, dass über Nacht drei Körbe entwendet worden waren! Nur noch die Stangen waren zurückgeblieben, schnell wurde mobiler Ersatz besorgt, damit überhaupt gespielt werden konnte. Bis heute sind die Körbe übrigens nicht wieder aufgetaucht.

Sportlicher Höhepunkt des ersten Tages war das Ass von Kurt König mit einem wunderbaren Anhyzer auf Bahn 4 (über den Kunstquader hinweg) in Salzgitter. Es war eines der Themen, die abends in der Gemüsescheune Pölig bei Live-Musik und Spanferkel diskutiert wurden.

greg class=“alignright size-full wp-image-9303″ />Dort zog abends die Kälte in die Knochen, doch die strahlende Sonne an allen Turniertagen ließ auch das schnell vergessen. Mittags wurde es am Samstag so warm, dass speziell am Tankumsee Urlaubsstimmung aufkam. Greg Marter fuhr entspannt Skateboard, der Nacktbader an Bahn 13 holte so manche Scheibe aus dem See: „Das kann ich doch gleich für euch machen, ich habe ja eh nichts an!“

Sportlich hatte sich nach 72 gespielten Bahnen in sieben Divisionen schon einiges geklärt, bei vielen Disc-Golfern stand nun entspanntes Werfen im Mittelpunkt. Zitat aus dem Gutspark: „Ist der Score erst ruiniert, wirft sich?s völlig ungeniert.“

Was dann am Schlusstag in Wolfenbüttel im Open-Finale an Würfen zu sehen war – finale furioso! Jens Erdmanns Birdie an Deutschlands erster Ampelbahn ist hier zu sehen:

Senkrechtstarter Marian Ludwig, der sich am Finaltag in einen Rausch spielte und von Platz 8 aus den Vizetitel nach Schönwald bei Hof holte, gelang an der letzten Bahn über den Wolfenbütteler Stadtgraben ein ganz besonderes Kunststück, indem er seine Scheibe durch eine nur sechs Zentimeter große Lücke zwischen Brüstung und Geländer warf:

Vielen Dank an Jens Erdmann, Christian Plaue, Marian Ludwig und natürlich Simon Lizotte (was für ein Anhyzer an Finalbahn 3) für dieses spektakuläre Finale. Nach dem letzten Wurf hatte Simon 23 Würfe Vorsprung auf Marian, der auf den im Baum hängenden Korb aus verständlichen Gründen kein Risiko mehr einging und Platz 2 absicherte.

Es würde den Rahmen sprengen, die einzelnen Divisionen durchzugehen, aus unserer Tee-Timers-Sicht war natürlich neben Marians Vizetitel der Doppelsieg bei den Juniors – am Ende lag Marvin Tetzel 17 Würfe vor seinem Trainingspartner Elias Güldenhaupt – der Höhepunkt. An zahlreichen Wolfenbütteler Ortseinfahrten lächelte „Mr. Kinderschokolade“ von großen Werbetafeln des Stadtmarketings, schon klasse, wie souverän der 17-Jährige mit diesem Druck umgegangen ist. Da kann sich das Open-Feld in der nächsten Saison auf einen ernsthaften Konkurrenten freuen, in seinem Finale (gleichzeitig das Halbfinale für die Open-Klasse) spielte er auf identischem Parcours hinter Dominik Stampfer die zweitbeste Runde aller Teilnehmer.

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Vielen Dank im Namen aller Tee-Timers aber auch an alle anderen Aktiven, die Helfer und die Sponsoren: Die 28. Deutsche Disc-Golf-Meisterschaft war eine ganz besondere!

Die Titelträger im Einzelnen:

*Open*

1. Simon Lizotte (Bremen)
2. Marian Ludwig (Schönwald)
3. Christian Plaue (Grebenstein)
4. Jens Erdmann (Potsdam)

*Women*

1. Christine Hellstern (Oberkirch)
2. Katrin Freyberg (Langenhagen)
3. Ann-Christin Kleimann (Turin)

*Masters*

1. Jan Bäss (Berlin)
2. Michael Kobella (Augsburg)
3. Klaus Kattwinkel (Engelskirchen)

*Grandmasters*

1. Wolfgang Kraus (Trebur)
2. George Braun (Stahnsdorf)
3. Stephen Defty (Berlin)

*Senior Grandmasters*

1. Hans Schulenburg (Braunschweig)
2. William Erdmann (Dassel)
3. Manfred Wollersen (Sarstedt)

*Legends*

1. William Kelton (Leonberg)
2. Wilhelm Heumann (Wolfenbüttel)

*Juniors*

1. Marvin Tetzel (Wolfenbüttel)
2. Elias Güldenhaupt (Wolfenbüttel)
3. Torben Casser (Löningen)

Die vollständigen Ergebnisse samt Scores sind unter

http://www.pdga.com/tournament_results/101038

zu finden.

Auf der DM-Homepage (http://dm.discgolf.de/) findet ihr unter dem Menüpunkt *Aktuelles* einen Pressespiegel, Fotos werden unter *Impressionen* in Kürze folgen.

Fotos: Jan-Frederic Helbig/www.peinorama.de

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