Mr. Pink and Mr. Orange* (Wolfenbüttel Open, die Fünfte)

Schultern5.9.2013 | dr.delay. Nachdem der Autor dieser Zeilen bereits im letzten Jahr im Weltstädtchen Wolfenbüttel nicht nur durch überragende Leistungen, sondern auch durch seine objektive Berichterstattung aufgefallen war, wurde er verständlicherweise auch diesmal (mit Geld und hübschen Discs) gelockt, eine kurze Rezension, das o. g. C-Turnier betreffend, abzugeben. Hier ist sie.

Wie erwartet funktionierte vier Monate vor Heiligabend (24.8.2013) die Organisation in WF reibungslos. Der Kurs war perfekt vorbereitet, die Flights wohl gemischt, die Tische beim Selbstbedienungschinesen reserviert, die nach der Siegerehrung zu verlosenden Leckerlis bereit gestellt und zuvor war von den Tee-Timers auch noch das richtige Wetter bestellt worden.

Pünktlich ging es los und bereits die erste Runde wurde von den beiden Spielern dominiert, die nicht nur den Sieg unter sich ausmachen sollten sondern letztlich sogar titelgebend wirkten: Marian Ludwig aka „Mr. Orange“, der eine schier unglaublich minus 10 hinlegte und Jerome Braun aka „Mr. Pink“, der ebenfalls deutlich unter 50 blieb. Es ist fast müßig, die anderen Spieler an dieser Stelle noch zu erwähnen, denn der Zweikampf zwischen Mr. Pink und Mr. Orange hatte begonnen und die beiden ließen einfach niemanden mehr mitspielen.

Zwar gab es noch den einen oder anderen Mit-Fuffziger sowie einen später zu beschreibenden Jungspieler, aber keiner der Verfolger konnte auf dem von Mr. Pink und Mr. Orange gezeigten Niveau spielen, und das unten beschriebene Finale hätte genauso gut auch nur zwischen diesen beiden stattfinden können.

Anyway, nach der gewohnten All-u-can-eat-Völlerei schleppten sich die pappsatten Discgolfer zurück und begannen zunächst einmal die zweite Runde. Hier gab es zu vermelden, dass sich die beiden Vorerwähnten weiter absetzten und ein anderer für Furore sorgte: Das schweizerisch-berlinerische Urgestein George Braun spielte sich mit einer flotten 48 ins Finale und ihm gleich tat es der seit Nokia immer noch ein wenig traumatisiert wirkende Gregor Marter, der dank zweier soliden Runden gerade noch eben den Finalcut schaffte.

Dann wurden die Würfe addiert. Und das packende Fünf-Bahnen-Finish konnte beginnen. Vier Große: Jerome B., Marian L., George B. und Greg M., und ein Kleiner: Elias Güldenhaupt, toll und unbekümmert aufspielend und doch ein wenig überraschend unter den Final Five gelandet. Man munkelt, dass Little Elias bis vor wenigen Wochen noch Rollschuhlaufen als einziges Hobby angegeben hatte, neudeutsch: ein echter Shooting-Star.

Das Herzschlag-Finale begann. Jerome und Marian bekämpften sich hart aber fair, und es gelang keinem, sich auf den jeweils veränderten Finalbahnen von dem jeweils anderen abzusetzen. Jedem Mr. Pink huldigenden Oh folgte unter Garantie ein Mr. Orange zugedachtes Ah. Das Kopf-an-Kopf-Rennen dieser beiden gleichermaßen talentierten wie hübschen Buben zog die zahlreichen Zuschauer in ihren Bann und es wurde lauter und lauter.

Jubel

So kam es zum Showdown auf der „fünf“. Marian begann und setzte seinen 120-m-Drive „nur“ ca. 15 m, jedoch leicht buschbehindert, neben den Korb. Diese Chance ließ sich Jerome nicht nehmen und platzierte seinen Drive in todsichere drei-Meter-Putt-Distanz. Marian musste treffen … und blieb am Korbrand hängen. Mit einem Wurf Vorsprung gewann Jerome sein letztes Turnier für geraume Zeit; nach unbestätigten Berichten zieht sich der smarte Berliner für ein halbes Jahr in ein Kibbuz zurück, um mal zu checken, was geht. Prima Jerome.

Die Damenkonkurrenz dominierte gewohntermaßen mit 2500 Würfen Vorsprung die reizende Susann Fischer (Schreibweise) vor Katrin Freyberg. Derzeit verhandeln Frau Fischer und Herr Delay über die Zuchtmöglichkeit eines Weltklasse-Discgolfers, indem die Gene der beiden Vorerwähnten miteinander vermengt werden – im Reagenzglas natürlich!

Die Master-Wertung gewann dann natürlich George B., dessen Finalanwesenheit zudem für einen familiären Flight sorgte, indem zwei erstgradig miteinander verwandte Discgolfer miteinander spielten. Kommt auch nicht immer vor, kann man ruhig mal erwähnen. Zweiter wurde Claus-Peter Hetzner vor André Klawonn.

Die Junior-Wertung gewann der vorerwähnte, toll aufspielende Elias Güldenhaupt vor dem wie immer durchgestylten Marvin Tetzel, der seinen gesamtsympathischen Eindruck erneut bestätigen konnte. Elias G. hingegen wirkte ein wenig zurückhaltender, was aber sicher darin liegt, dass er noch nicht allen Recken die Hand schütteln konnte.

Die Grandmaster-Wertung gewann der für einen Grandmaster verdammt jung aussehende Andreas Wegener aus Hamburg vor dem ebenfalls extrem jung gebliebenen Peter Müller aus Hamburg. Ist der hansestädtische Dauernieselregen vielleicht eine Art Jungbrunnen?

Zu erwähnen noch das Ass von Micha Rollnick, der, wie dem Unterzeichner durch sichere Quellen zugespielt wurde, auch nur deshalb angereist war. Größtmöglicher Erfolg durch geringstmöglichen Einsatz: in der Ace Pool Kasse lagen immerhin knapp 5.000,00 € oder so – falls der Autor hier nicht irgendetwas durcheinandergebracht hat.

Wie gewohnt veranstaltete auch diesmal wieder eine putzige Runde verdienter Wolfenbüttler Bürger an üblicher Stelle (links von Bahn 17) ihren Schönwettertreff und ließ sich selbst durch einen Schienbeintreffer nicht aus der Ruhe bringen. Aber, vielleicht sollte an dieser Stelle mal ein Moment der Besinnung erfolgen und darüber laut nachgedacht werden, ob neben einem Spotter gelegentlich auch mal ein Blocker (der, der die Scheiben im Falle des Danebenwurfs in Gefahrensituationen abfängt) eingesetzt wird. Ein Volltreffer, liebe Discgolf-Gemeinde, würde für so manchen Parcours das sichere Ende bedeuten. Mitdenken, bitte.

20130824_180427Last but not least gibt es zu vermelden, dass auch dr.delay seine große Liebe in Form des zweiten Ultra-Hertha BSC-Fans in der deutschen Discgolf-Szene gefunden hat. Ein feiner Kerl, der … und das Tattoo spricht Bände.

Das Teilnehmerfeld war fast voll, unverständlich dass sich nach Aussage des TD neben einem krank gemeldeten Spieler zwei gar nicht erschienen. Leude (Hamburger Slang, die Red.), dass geht nich` – ihr nehmt spielwilligen Spielern die Startplätze weg – und sollte zukünftig drakonisch bestraft werden.

Fazit: Wolfenbüttel ist wieder eine Reise wert gewesen. C-Turniere schocken eh´ viel mehr und es sollte nicht immer fanatisch auf die GT-Wertung geschielt werden. Aber die Unterschiede zwischen Discgolf 1988 und heute wird euch der Autor ein anderes Mal erklären.

* Falls jemand mit dem Titel nichts anfangen kann, so ist er entweder nach 1992 (dem Entstehungsjahr des einzigen wirklich guten Tarantino-Films: Reservoir Dogs; imdb-Wertung: 8,4) geboren oder schaut in seiner Freizeit zu viel discgolfplanet.tv.

Fotos: Jan-Frederic Helbig/www.peinorama.de

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