Nibelungen Open 2012 oder: „So muss Discgolf“

28.4.2012 | Ted Winkelbeiner. Nach einer von vielen bedauerten einjährigen Pause hat sich TD René Kundel zur allgemeinen Freude wieder dazu entschlossen, der German Tour und 56 Discgolfern ein wahres Leckerli zu schenken. Die Resonanz war, wie zu erwarten war, groß und somit war das Turnier innerhalb kürzester Zeit bis auf den letzten Platz ausgebucht. So muss Discgolf.

Die Spielerschar setzte sich, wie bei einem C-Turnier gewünscht, aus unterschiedlichsten Spielerinnen und Spielern zusammen. Einige der Starter werden im Sommer unser Land bei den Europameisterschaften in England vertreten, andere versuchten allmählich in die Turnierszene reinzuschnuppern oder spielten gar ihr allererstes Turnier auf der German Tour.

Für diejenigen, die auf langjährige Erfahrung zurückblicken können und auch für die Newcomer dürfte an diesem Sonntag im Wormser „Wäldsche“ eines klar gewesen sein. Perfekte Vorbereitung, ein knackiger Kurs in einem hervorragend gepflegten Park, abwechslungsreiche und anspruchsvoll konzipierte Bahnen und dazu noch, entgegen der Wettervorhersage, gutes Wetter. So muss Discgolf.

Die Turnierleitung hatte sich im Vorfeld für einen Kurs mit 14 Bahnen entschieden, quasi einem „Best of“ der Bahnen, die in den letzten Jahren gespielt wurden. Dafür mussten sich die Teilnehmer nicht wie früher zweimal über den Kurs kämpfen, sondern hatten die Gelegenheit, jede Bahn dreimal zu spielen, was bei den meisten Spielern auf positive Resonanz gestoßen ist. Wenn man schon mehrere Stunden Anfahrt in Kauf nimmt, dann will man doch auch so viel Spaß haben wie möglich. Und Spaß macht der Kurs auf jeden Fall.
Die ersten beiden Runden wurden ohne Pause in gleichbleibenden Flights gespielt und es zeigte sich mal wieder, dass es von Vorteil ist, wenn man außer Scheiben und Getränken auch noch einige Müsliriegel, Sandwiches oder die eine oder andere halbe Sau auf Toast im Bag mit sich führt. Der Discgolfer an sich verfügt bekanntlich über eine hohe Sozialkompetenz und somit wurden Spieler, bei denen sich der berüchtigte Hungerast anbahnte, von Mitspielern tatkräftig mit Carepaketen in Form von Müsliriegeln, Studentenfutter oder großen Bissen von Volker Dziemballas Luxus- Sandwich unterstützt. So muss Discgolf.

Nachdem die ersten beiden Runden gespielt waren, traf sich die abgekämpfte aber glückliche Scheibengemeinde im Biergarten direkt am Kurs zum ersehnten Mittagessen. An dieser Stelle muss leider die Leistung der Gaststätte in aller Deutlichkeit kritisiert werden. Dem TD wurde im Vorfeld versichert, dass es überhaupt kein Problem darstellen würde, 50 hungrige Discgolfer auf einmal zu verköstigen. Die Wahrheit sah leider anders aus. Das Personal war sichtlich überfordert und so mussten einige Spieler ärgerlicherweise extrem lange auf ihr Essen warten, während andere schon ungeduldig den Beginn der dritten Runde herbeisehnten.

Hier möchte sich die Turnierleitung nochmal bei allen Teilnehmern für den schwachen Service entschuldigen! (Siegfried Reisser)

Es bleibt zu hoffen, dass die schwache Leistung des Gasthauses lediglich als Randnotiz in einem ansonsten großartigen Turnier in den Köpfen der Teilnehmer haften bleibt.

Nach den ersten beiden Runden zeichnete sich in der Open Klasse der erwartete Zweikampf zwischen dem Heidenheimer Discmania-Starspieler Dominik Stampfer und dem Grebensteiner Crosslap-Teamcaptain Christian Plaue ab. Stampfer führte nach zwei guten Runden mit zwei Würfen vor Plaue, der sich jedoch noch berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen konnte, da der Kurs so selektiv und anspruchsvoll war, dass selbst kleine Fehler großen Schaden auf der Scorecard anrichten konnten. Weitere zwei Würfe hinter dem Weitwurf Monster aus „Nochthessen“ (Er knallte die Scheibe an der schwierigen Bahn 7 an den Korbfuß), lauerten der verlorene Discgolf-Sohn Heiko „Boss“ Niedermayer und der Dauerbrenner aus Oberkirch Frank Hellstern. Hinter der Leading Group tummelten sich die üblichen Verdächtigen, mit einer Ausnahme. Der Ultimater und Teilzeit-Discgolfer Daniel Riedel, der seine Tasche vor dem Turnier erst noch in seiner Garage suchen musste, spielte sich mit technisch feinen Würfen und tollen Putts zwischenzeitlich auf Platz sechs.

Bei den Damen setzte sich Christine Hellstern mit zwei konstant guten Runden und sechs Würfen Vorsprung vor Natalie Moßig an die Spitze des mit fünf Damen erfreulich gut besetzten Feldes.
Bei den Masters gab es von Beginn an einen heißen Kampf um den Titel, denn es gab hier keinen klaren Favoriten. Am Ende sollten die besten Fünf lediglich durch vier Würfe getrennt sein. Als strahlender Sieger zeigte sich am Ende Guido Reinhart, der seinen Vorsprung über die Zeit retten konnte und einen großartigen Sieg in diesem gut besetzten Starterfeld einfahren konnte. Den knapp dahinter platzierten Michael Malz, Volker „Riesensandwich“ Dziemballa, Ralph Lehmann und Uwe „Turbogummler“ Kleinböhl bleib diesmal nur das Nachsehen. Ein spannender Wettkampf mit knappem Ausgang und einem strahlenden Sieger. So muss Discgolf.

In der dritten Runde blieb der geplante Angriff von Natalie Moßig auf Christine Hellstern trotz guter Runde aber einer ziemlich verpatzten Inselbahn aus, so dass die sympathische Topspielerin aus Oberkirch ihren Sieg mit acht Würfen Vorsprung nach Hause bringen konnte. Um die Plätze drei bis fünf entbrannte noch mal ein heißer Kampf, den Jessica Oberholthaus in einem Herzschlagfinale denkbar knapp vor Maren Grunert und Sonja Scheidemantel für sich entscheiden konnte. So muss Discgolf.

Bei den Herren konnte kein Spieler ernsthaft in den Zweikampf zwischen den beiden Führenden eingreifen, auch wenn es Heiko Niedermayer immerhin noch mit einer guten Runde versuchte. Frank Hellstern konnte in der letzten Runde nicht mehr an seine guten Leistungen anknüpfen und verlor etwas an Boden. Aus dem zweiten Flight kam ebenso keine Gefahr mehr und somit mussten es die beiden Jungstars untereinander ausmachen.

Bei den letzten drei Aufeinandertreffen der beiden Akteure konnte sich jeweils Dominik Stampfer vor Christian Plaue platzieren. Eine derartige Situation kann sicherlich motivierend wirken und tat es wohl auch, denn Christian Plaue konnte seinem Rivalen drei Würfe abnehmen und ihm somit mit dem kleinstmöglichen Vorsprung von einem Wurf den Sieg noch entreißen und sich somit für die kürzlich erlittenen Niederlagen revanchieren. Toller Sieg für den Team-Crosslap-Star-Spieler.
Abschließend bleibt noch der Dank an den TD René Kundel und sein kleines Helferteam, die Großes geleistet haben und vielen Menschen einen wunderschönen Tag beschert haben.

Ein kleines Manko des Turniers soll jedoch nicht verschwiegen werden. Ein solch gutes Turnier mit einem derart interessanten Kurslayout sollte 2013 nicht als C-Turnier sein kleines Dasein fristen, sondern in den Status eines B-Turniers erhoben werden. Wir brauchen mehr von diesen qualitativ hochwertigen Turnieren. Hoffentlich lässt sich Herr Kundel zu diesem Schritt überreden, denn Worms, it´s a must, oder, Sie ahnen es: So muss Discgolf.

Bilder: hier.

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