Zwischen Wald, Wasser, Genie und Wahnsinn: Die Disc Golf DM 2011

3.10.2011 | Michael Hamann. Als ich mich auf den Weg nach Kellenhusen machte, hatte ich noch die Worte einiger Scheibensucher im Ohr: Schlechtes Wetter, Wind, Regen und ein Kurs, der mit Wind zu schwer und ohne Wind zu einfach sein würde. Ein Grund dafür, warum sich wohl auch nur drei weitere Scheibensucher auf den weiten Weg machten. Letztendlich machte es aber die Jahreshauptversammlung für mich notwendig, erstmalig im Leben an die Ostsee zu fahren.


Nach einem Zwischenstopp in Kassel legte ich mit Christian Plaue und Felix Wiegand im schnellen Fiat Punto die weiteren 400 km zurück, um bei bestem Wetter in Kellenhusen anzukommen. Ich wartete zwar optisch endlich auf den Meerblick, doch nach dem Durchfahren normalen Waldes konnte zunächst nur ein Deich erblickt werden, der auch in Rüsselsheim den Main von der Innenstadt trennt und erstmal nicht spektakulär erschien. Und dann der Hammer: ein blaues Farbspektrum präsentierte sich hinter dem Deich, der Übergang von Meer zum Himmel war kaum zu erkennen, absolute Windstille und ein leises Heranpirschen von kleinen Wellen an den Sandstrand bekräftige schon jetzt die positive Entscheidung nach Kellenhusen gekommen zu sein.

Das Doubles mit Thomas Wiegand war meine erste Bekanntschaft mit dem „leichten“ Kurs bei Windstille. Ich war in jedem Fall froh, dass es windstill war, und freute mich sehr die Bahnen zu absolvieren, obwohl der Score nicht erwähnenswert war. Mit 21 Bahnen war der Kurs in jedem Fall einer DM würdig und verlangte bei jeder Bahn Konzentration und oft auch sehr präzise Würfe ab.

Ich verstand sehr schnell das die einheimischen Spieler sauer auf den Wettergott waren und der Heimvorteil dahin war womit andere Spieler aber kein Problem hatten. Die Bahn 6 hatte es mir ja angetan, eine erhöhte Abwurfplattform auf einem DLRG-Aussichtsturm direkt am Wasser und Sandstrand, besser geht es kaum. Wir nahmen also alle unsere „Rettungsscheiben“ und warteten vergeblich auf Hilferufe nicht vorhandener Schwimmer sodass wir es dann doch vorzogen, die Scheiben Richtung Korb zu werfen.

Die beiden ersten Runden verliefen dann ganz ok, das Erreichen des Halbfinales war aber noch 4 Würfe und 3 Plätze entfernt. Die dritte Runde musste also die Entscheidung bringen. Mit Michael Voglmeyer, René Curth und Andreas Wegener kündigte sich eine lustige Runde an die es auch war.

Nach einigen Bahnen haben wir gedanklich unsere Scores mit Buchstaben ergänzt, z.B. eine 3 „T“ wurde als taktische Drei klassifiziert und eine 5 „SB“ als eine Fünf die SauBlöd war, eine 4 „D“ bedeutete Dumm (z.B. ein vergebener Putt aus 2 Metern). Und es gab noch weitere Abkürzungen weil uns immer wieder neue unglaubliche Wurfabfolgen gelangen.

Die Runde beendeten wir dann geistig erschöpft aber zufrieden und konnten danach das weitere Turniergeschehen gelassen angehen.

Mittlerweile ließen die Favoriten nichts anbrennen. Simon Lizotte, Dominik Stampfer und Christian Plaue bestimmten das Turniergeschehen von Anfang. Mit Kurt König, Hartl Wahrmann (der erst nach 67 gespielten Bahnen seinen ersten Bogie spielte) Danny Stephens und Jens Erdmann (Ass an Bahn 6, das zweite Turnierass gelang noch Michael Rollnik an Bahn 3) warteten weitere hochkarätigen Spieler auf Ihre Chance. Kurt König erreichte noch den vierten Platz des Finales und zeigte zusammen mit den TOP 3 an der letzten Bahn die Faszination Disc Golf vor etwa 150 Zuschauern. 4 präzise unterschiedliche Würfe Richtung Korb. Kurt König musste als erster aus etwa 25 m putten und traf mittig in den Korb. Dominik Stampfer lag leicht erhöht in etwa 15m Entfernung und traf ebenso mittig ins Schwarze. Simon Lizotte überwarf den Korb um etwa 15 m und traf auch wie selbstverständlich unter großem Jubel und gewann souverän den Titel vor Dominik Stampfer aus Söhnstetten. Christian Plaue aus Grebenstein gelang der beste Drive mit einem Vorhandwurf und puttete sich aus 5 Metern zu Platz 3.

Bei den Damen setzte sich erwartungsgemäß Susann Fischer vor Nora Wrobel und Maya Erdmann durch. Die Junioren-Division dominierte die Lünener Fraktion mit Sven Rippel und Kevin Konsorr, auf den dritten Platz kam Marvin Tetzel.

Und dann kam der Auftritt von Opa Willy der mit eigenem Fanclub für Stimmung sorgte. Platz 1 bei den Legenden und dem vor drei Jahren formulierten Satz: Ich bin jetzt 69 Jahre und möchte 100 Jahre alt werden, was soll ich denn da 31 Jahre lang machen? Disc Golf spielen war die eigene Antwort und das funktioniert so gut das er jetzt deutscher Meister 2011 geworden ist vor der anderen Legende Hans Behrendt. Der deutsche Meister der Senior-Grandmaster wurde Viro Schneider aus Berlin vor William Erdmann aus Dassel. Die Grandmaster-Division wurde von Stephen Defty aus Berlin gewonnen der den deutschen Meister von 2010 Andreas Wegener und Thomas Wiegand aus Grebenstein auf die Plätze verwies.
Endlich wieder am Start (herzlich willkommen Bobby!!!) sorgte Robert Delisle Sen. für eine sensationelle Rückkehr ins Turniergeschehen und gewann vor dem Hamburger Frank Buchholz
gefolgt von Olli Möllemann.

Ohne Frage ein supertolles Turnier, für das sogar eine Disc-Golf-Hymne geschrieben wurde, die am Samstag Abend live von Heiko Behrens (Disc Golf Präsi von Kellenhusen) mit Band „Mad Murph Mahoum“ gespielt wurde und immer wieder mal angestimmt wurde.

Die Mittagessen waren vom Feinsten, alle Helfer supernett und rundherum hat einfach alles gepasst. Die Organistion war hervorragend und die Siegerehrung als Abschluss des Turnieres war einfach wie das Wetter nur gut. Andreas „Andel“ Thöne von Crosslap Discs übernahm nach der Anmoderation der Bürgermeisterin die Preisverleihung und belohnte die Sieger mit Pokalen, Preisgeldern und Sponsorenartikeln (Flensburger Bier, Skag Jacken aus Hamburg und der Kurverwaltung Kellenhusen) vielen Dank an alle die Das Turnier möglich gemacht haben!!!

Fällt mir noch eine tolle Aussage eines Mitspielers ein der ganz trocken sagte: auch wie geil, ich habe heute morgen schön an den Strand…

Ergebnisse

Bilder: http://disc-golf.tumblr.com (1,2,3), Andreas Thöne (4,5)

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