Dassel: Simon dreht erst am zweiten Tag voll auf

26.4.2011 | Ewald Tkocz. „Simon Show?“, fragte ein Blogger am Sonntag um 15:40 Uhr im Gästebuch der Hyzernauts, als er sich nach den Ergebnissen der Haus Solling Open in Dassel erkundigte. Die Simon Lizotte Show gab es allerdings erst am zweiten Tag des B-Turniers der GermanTour. Mit 15 Würfen Vorsprung gewann der Bremer vor Dominik Stampfer (234) noch recht deutlich. Christian Plaue (236), Thaddäus Winkelbeiner (240) und Klaus Kattwinkel (244) belegten die weiteren Plätze. Nach dem ersten Tag hatte sich der 18jährige Weltklassespieler nach einer – aus seiner Sicht – desaströsen zweiten Runde mit Wutausbrüchen und Riesenfrust noch auf dem fünften Platz einreihen müssen.

Martin Jenny: zwei „Eagles“ an der doppelten Inselbahn zehn

Die Showbühne gehörte am ersten Tag anderen: Zum Beispiel Martin Jenny, der, gestärkt durch einen grandiosen fünften Platz beim EuroTour-Turnier in Rotterdam, mit Runden von 51 und 48 mit drei Würfen Vorsprung die Open-Kategorie vor dem wurfgleichen Trio Plaue, Felix Wiegand und Winkelbeiner anführte. Von Simon Lizotte als „einer der geilsten Disc Golfer, die ich kenne“ geadelt, brachte der Schweizer das Kunststück fertig, die doppelte Inselbahn zehn (Par vier) auf dem gelben Kurs an beiden Tagen mit einem „Eagle“ (zwei Würfe unter Par) zu meistern. Ausgerechnet in der Schlussrunde brach Jenny ein und katapultierte sich mit einer 59er-Runde noch aus dem Open-Finale. Er wurde in dem erstklassig besetzten Wettbewerb am Ende Siebter.

Auch Ralph Lehmann gehörte zu jenen Spielern, die am ersten Turniertag ihr gesamtes Potential in die Schaufenster-Auslage stellten. Der Augsburger verblüffte sich und seine Masters-Mitspieler, als er nach dem ersten Tag mit Runden von 52 und 59 Würfen das Feld vor Volker Meyer und George Braun anführte. „Unfassbar“, stammelte er nach seiner 52er-Auftaktrunde auf dem gelben Kurs. Doch am Sonntag benötigte der WSCA-Spieler auf den beiden 16 Bahnen-Kursen zwanzig Würfe mehr als am Vortag und wurde auf Platz zehn durchgereicht.

Viele Hochs und Tiefs zwischen dem ersten und zweiten Tag

Der erste und der zweite Tag. Für viele Spieler ein Unterschied wie Tag und Nacht. Simon Lizotte: 103 Würfe (47/56) am ersten, 91 (46/45) am zweiten Tag! Ein Super-Finale mit 25 Würfen auf neun Bahnen, mit dem er seine Konkurrenten um bis zu 11 Würfe distanzierte. Oder Felix Wiegand: 102 Würfe (50/52) am ersten, 113 (57/56) am zweiten Tag. Zweiter nach dem ersten, Zehnter nach dem zweiten Tag.

Wer es schaffte, konstant auf hohem Niveau zu spielen, war vorne mit dabei: Dominik Stampfer zum Beispiel. Der 17jährige steigerte sich stetig im Laufe des Turniers und spielte sich am Sonntag vom sechsten auf den zweiten Platz. Der Heidenheimer, der in wenigen Wochen die Fachhochschul-Reife erwerben will, brachte sich schon einmal als „Kronprinz“ für die GermanTour-Gesamtwertung in Stellung, sollte Simon Lizotte – wie angekündigt – in diesem Jahr wegen seines letzten Schuljahres nicht so viele Turniere spielen. Konstant gut auch die anderen Open-Finalisten: Christian Plaue aus Grebenstein (52/50/52/53/29), Thaddäus Winkelbeiner aus Reutlingen (53/49/52/51/35) und Klaus Kattwinkel aus Engelskirchen (52/53/52/51/36). Kattwinkel war deshalb ins Open-Finale gerutscht, weil der nach vier Runden wurfgleiche Jan Bäss (Berlin) auf ein Stechen verzichtet und sich mit Platz sechs begnügte hatte.

Masters-Finale: „Was geht denn hier ab?“

Superspannend verlief die Masters-Konkurrenz, die erst mit dem letzten Putt an der letzten Finalbahn entschieden wurde. Dave Lizotte vergab den Putt aus neun Metern zum Birdie und damit die Chance, mit seinem Kumpel George Braun um den Sieg stechen zu dürfen. Nach dem ersten Tag waren die ersten acht Spieler nur durch sechs Würfe getrennt! Als Ralph Lehmann sich mit einer 67er Runde aus dem Kreis der Sieganwärter verabschiedet hatte, lagen vor dem Masters-Finale Dave Lizotte (167), Volker Meyer (167) und George Braun (168) Kopf an Kopf.

Volker Meyer aus Ulm, GermanTour-Sieger 2010, startete mit fünf Bogeys ins Finale. „Ich dachte: ‚was geht denn hier ab’“, schilderte anschließend Dave Lizotte, „Volker hat die Tür voll aufgemacht.“ Bis Bahn 13 (blauer Kurs) lag nun der Bremer auf Siegkurs, musste George Braun nach einem Doppel-Bogey jedoch vorbeiziehen lassen. Der Berliner behauptete seinen Vorsprung von einem Wurf bis ins Ziel und besitzt nun beste Aussichten, die GermanTour 2011 zu gewinnen. Dave Lizotte blieb, wie schon bei den Turnieren 2008 und 2009 in Dassel, Platz zwei. Dave Lizotte: „Ich war mit meinem Spiel allgemein zufrieden. Aber es wäre schon ein Highlight gewesen, gemeinsam mit Simon zu gewinnen. Deshalb bin ich auch ein bisschen enttäuscht.“ Dritter, mit drei Würfen Rückstand auf George Braun, wurde Volker Meyer vor Frank Buchholz (Hamburg), der sich von Platz zwölf nach der ersten Runde noch in den Top-Flight spielte.

Zwei Holzscheiben für Familie Erdmann

Zwei der heiß begehrten Siegestrophäen gab es dafür für Familie Erdmann aus Dassel. „Ich will unbedingt die Holzscheibe haben“, zeigte sich Maya Erdmann vor der Damen-Konkurrenz kämpferisch und hochmotiviert. Und sie ließ ihren Worten Taten folgen. Mit 24 Würfen Vorsprung (!) gewann sie vor Natalie Moßig (Reutlingen), die im Frühjahr fleißig trainiert und sich den Ausgang dieses Wettbewerbs anders vorgestellt hatte. Dabei hatte Maya Erdmann vor einer Woche beim Training auf dem Parcours ihre bevorzugte Weitwurf-Scheibe in einer Tanne versenkt, die sie nicht mehr herausrückte. Die (unfreiwillige) Umstellung auf eine stabilere Scheibe brachte ihr zusätzliche Weitenmeter. „Sie hat einen unheimlichen Zug“, bemerkte Benjamin Schneider aus der Schweiz anerkennend, der sie bei ihrer tollen Auftaktrunde auf dem gelben Kurs (62) im Flight begleitete. Ihre schärfste Konkurrentin wäre Alessa Schwarz (Berlin) gewesen, die in diesem Jahr in der Open-Kategorie antritt und zehn Würfe mehr benötigte als Maya. Ein tolles Turnier spielte das „Scheibenfrollein“, Manja Pfeiffer, die nach dem ersten Tag sogar auf Platz zwei gelegen hatte und am Ende Dritte wurde vor Verena Witkowski (Mainz).

Auch für William Erdmann gab es zum ersten Mal die Holzscheibe. Was der Senior Grandmaster noch drauf hat, zeigte er am ersten Tag, als er wurfgleich mit Vize-Europameister Francesco Puliafito aus der Schweiz war, der in der Grandmaster-Kategorie antrat, und nur drei Würfe mehr benötigte als der Deutsche Meister bei den Grandmastern, Andreas Wegener aus Hamburg.

Souveräner Sieg von Lothar Henseler bei den Grandmastern

Apropos Grandmaster. Lothar Henseler, im Vorjahr bereits bei vier GT-Turnieren erfolgreich, feierte in Dassel einen souveränen Sieg. Benjamin Schneider, nach drei Runden mit dem Giengener wurfgleich, versuchte im Finale noch einmal zu attackieren. Doch Henseler blieb cool und wehrte den Angriff mit einer tollen 56er-Runde ab. Ewald Tkocz, der seine Siegchancen am Samstag bereits an der zweiten der 64 Bahnen mit einer Zehn an Bahn zehn verspielt hatte, startete anschließend eine Aufholjagd, die ihm noch den zweiten Platz vor Thomas Wiegand (Grebenstein) einbrachte. Sein viel umjubeltes Highlight am Sonntag: sein Annäherungswurf auf die zweite Insel an Bahn zehn, ein Überkopf-Wurf aus mehr als 50 Metern, schlug zum Birdie im Korb ein. Benjamin Schneider wurde Vierter vor Francesco Puliafito.

Lünener Dreifach-Erfolg bei den Junioren: Rippel vor Konsorr und Korth

Bei den Junioren sind die Lünener Jungs derzeit das Maß aller Dinge. Der Sieg des EM-Vierten Sven Rippel stand bereits am Samstag fest, als er seinen Freund und Trainingspartner Kevin Konsorr mit einer fantastischen 48er-Runde auf dem Waldkurs distanzierte. Mit 207 Würfen und Runden von 54/48/53/52 hätte Sven das Open-Finale erreicht. Doch auch „Väterchen Josef“ hatte am Samstag Abend nach seinem ersten Turnier-Ass an Bahn sieben des blauen Kurses Grund zu feiern.

„Bei mir lief es einfach nicht“, erklärte Kevin Konsorr den ungewöhnlich großen Rückstand von zehn Würfen auf Sven. Der 16jährige Melwin Korth gewann das Duell gegen den drei Jahre jüngeren Maximilian Tkocz (Geislingen) um Platz drei. Nach einer schwächeren Auftaktrunde spielte Melwin in den folgenden drei Runden auf konstant hohem Niveau (56/59/58).

Ergebnisse hier
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Fotos: Alessa Schwarz und Elmar Stampfer

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