Gewinnt Simon Lizotte
sein erstes EuroTour-Turnier?

30.9.2010 | Ewald Tkocz. Nun walken sie wieder about. Über den Gurten, den Berner Hausberg. Zum Frisbee spielen beim Saisonfinale der  EuroTour. 6009 Tage ist es her, dass Benjamin Schneider bei einem denkwürdigen Abendmahl im Hinterzimmer des Brauerei Gurten Restaurants zwölf Jünger um sich scharte. Nicht zu religiöser Erbauung. Sondern zur Gründung des ersten Schweizer Disc Golf-Clubs: des  „walkabout Swiss Disc-Golf Bern“ mit dem Vereinsmotto: „Enjoy nature“, genieße die Natur.

„Zustand Gurten Parcours: Nass bei Regen, undurchschaubar bei Nebel, königlich bei Fernsicht.“ (Homepage walkabout Bern)

Am Wochenende richten die „walkabouts“ zum dritten Mal die „Bern Open“ aus. Berühmt wurden die Schweizer in der internationalen Disc Golf-Szene durch das legendäre „Golden Leaf“, das sie seit 1995 veranstalteten. Zwei Fragen sind zu klären: Gewinnt  Simon Lizotte, vor vier Wochen in Frankreich zum Vize-Europameister avanciert, sein erstes EuroTour-Turnier? Und zweitens, fängt Markus Källström den in der Gesamtwertung führenden Finnen Ville Piippo noch ab?

Wird Markus Källström Nachfolger von Jesper Lundmark?

Markus Källström hat gute Chancen, in der Gesamtwertung der EuroTour seinen Landsmann Jesper Lundmark zu beerben, der 2009 gewann und vor vier Wochen in Pas-de-Calais Europameister wurde. Zwar führt derzeit noch Ex-Europameister Ville Piippo aus Finnland mit 632,5 Punkten und 80 Punkten Vorsprung vor dem schwedischen Weltklassespieler; doch Piippo ist in Bern nicht am Start und Källström, der die Bern Open im Vorjahr gewonnen hat, zählt mit Simon Lizotte, Sylvain Gouge und Anders Swärd zu den Top-Favoriten auf den Turniersieg.

Sylvain Gouge und das „Kleingedruckte“: keine Siegchance mehr

Der Franzose Sylvain Gouge hat dagegen nach Informationen von Frank Neitzel keine Chance mehr, die EuroTour zu gewinnen, obwohl er bisher drei Turniersiege in Genf, Maillen/Belgien und Berlin aufweist und mit einem guten Ergebnis in Bern mehr Punkte erringen könnte als Källström. Zwar steht auf der Website der PDGA Europe: „The 5 best tournaments count in Open, Women and Masters.“ Doch im „Kleingedruckten“, dem „PDGA-Guide to Europe“, Seite 8 oben, steht: „These top 5 events must include at least 1 event from both the EuroSouth and the EuroNorth.“ Da der 33jährige Franzose aus Dijon alle seine fünf Ergebnisse in Mitteleuropa erzielte, bleibt ihm der Toursieg in diesem Jahr verwehrt.

Tritt Simon Lizotte in die Fußstapfen von Chris Voigt?

Der Parcours in Bern ist Markus Källström bestens vertraut. Er ist der Titelverteidiger. Dagegen ist der Kurs auf dem Gurten für den 17jährigen Simon Lizotte Neuland: „Mehrere Spieler haben mir den Kurs empfohlen und gesagt, er werde mir gefallen und komme meinem Spiel sehr entgegen.“ Sollte der junge Bremer seine Form von der EM einigermaßen konserviert haben, könnte er eine bislang einzigartige Saison mit seinem ersten Erfolg bei einem EuroTour-Turnier vergolden.

Die Zeichen stehen nicht schlecht. Denn seine schärfsten Konkurrenten in Bern, Markus Källström, Sylvain Gouge, Anders Swärd (Schweden) und Tony Ferro (Schweiz) hat er bei der EM alle geschlagen. Gewänne der deutsche Shooting-Star, würde er in die Fußstapfen von Chris Voigt treten, der am 2. und 3. September 1995 das erste „Golden Leaf“-Turnier gewann und diesen Erfolg 1998 und 2000 wiederholte.

Vier Deutsche bei den Bern Open am Start

Viele Deutsche haben seither das Turnier auf dem Gurten gespielt. Jürgen Taube aus Esslingen allein achtmal. Mit Christine und Frank Hellstern (Oberkirch) sowie Lothar Henseler kehren am Wochenende „alte Bekannte“ nach Bern zurück. Die Hellsterns spielten bereits 2002 erstmals das „Golden Leaf“. Im Vorjahr wurde Christine Hellstern sogar Zweite bei den Damen. Um diesen Platz hinter der favorisierten Schwedin Angelica Frantz wird sie sich auch in diesem Jahr mit den Schweizerinnen Karin Rubin, Iris Beyeler Ferro und Natalie Holloköi streiten.

Lothar Henseler schwärmt noch heute von seinem ersten Turnier auf dem Gurten: „Der Parcours ist ein Traum.“ 2002 war der Grandmaster als Zwölfter bester Deutscher und es wird interessant sein, wie sich der Giengener im Feld mit Europameister Paul Francz, den Gastgebern Benjamin Schneider und Fritz Hürzeler, Franco Puliafito und Marion van Linden (Holland) schlagen wird.

In den anderen Divisionen sind die Entscheidungen gefallen

In den anderen Divisionen sind die Entscheidungen weitgehend gefallen. Bei den Damen führen Birgitta Lagerholm und Camilla Jernberg (beide Schweden) mit 600 Punkten. Lagerholm gewann alle ihre vier EuroTour-Auftritte, Jernberg war bei ihren fünf Starts zweimal erfolgreich. Beide vertreten Europa beim Presidents Cup zur gleichen Zeit in Rock Hill, South Carolina.

Bei den Masters steht der Finne Kari Vesala als Gesamtsieger fest. Bei den Grandmasters wird Paul Francz seinen Vorjahressieg wiederholen. George Braun (Berlin), der in diesem Jahr in Stockholm und Berlin gewann, wird in der Gesamtwertung Platz zwei belegen vor Charlie Mead (Großbritannien).

Ohne Konkurrenz bei den Senior Grandmastern: Franco Puliafito aus der Schweiz. Bei den Junioren bleibt der Titel auf alle Fälle in der Familie Tanghe aus Belgien. Der 14jährige Maxime, zweifellos eines der größten Talente im europäischen Disc Golf, ist in Bern in der Open-Kategorie gemeldet. Sein jüngerer Brüder Guillaume, Zweiter in der Gesamtwertung der Junioren, liegt bereits in Lauerstellung. Bei den Advanced läuft alles auf einen Gesamtsieg von Adrien Pontieux (Frankreich) hinaus.

Informationen:
www.pdga-europe.com/Tournaments/Standings
www.swissdiscgolf.ch

Redaktion: Matthias Masel

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