Ritterschlag für Christian Plaue: Sieg in Worms

20.9.2010 | Ewald Tkocz. Der Einfluss von Hochs währt gewöhnlich nur wenige Tage. Doch das Stimmungs-Hoch, das Christian Plaue seit der EM in Frankreich beflügelt, hält nun schon vier Wochen an. „Das war mein erster Sieg bei einem Turnier über zwei Tage“, strahlte der Grebensteiner nach den 2. Nibelungen Open in Worms und fügte, schelmisch grinsend, an: „Ich habe einfach keine Lust mehr, gegen die ‚alten Herren‘ zu verlieren.“ Im Vorjahr, bei der Premiere der Nibelungen Open, hatte sich Christian Plaue noch hinter Michael Kobella einreihen müssen.

Der Erfolg bei der Europameisterschaft, bei der er einen sensationellen 14. Platz belegte, habe ihn richtig gepusht, erzählt der 22jährige: „Seither bin ich richtig motiviert, trainiere fast jeden Tag.“ Der Einzige, der mit „Plauze“ mithalten konnte und bis zuletzt nicht locker ließ, war „Mister GermanTour“, Klaus Kattwinkel aus Engelskirchen. Nur drei Würfe trennten das „Urgestein“ des Deutschen Disc Golf von dem jungen Himmelsstürmer.

Was kann man über Klaus überhaupt noch sagen? Über 60 Finalteilnahmen, allein fünf in diesem Jahr bei A- und B-Turnieren. Zuverlässig und leistungsstark wie ein Dreiliter-Diesel von BMW prüfte er bis zum Schluss die Qualität und das Stehvermögen von Christian Plaue, lieferte mit 19 Würfen auf den sechs Finalbahnen das beste Ergebnis ab. Mit Christian war er auch der einzige Spieler, der den herausfordernden Par 60-Kurs im Stadtpark – oder auf wormserisch: Wäldsche – im Gesamtergebnis unter Platzstandard beendete. Lediglich sechs der 68 Teilnehmer schafften eine Runde unter 60. Beste Runde: 56, gespielt von Christian Plaue, Klaus Kattwinkel und Michael Stelzer.

Ergänzt wurde das Quartett der besten vier Open-Spieler von Frank Brügmann (Braunschweig) und Michael Stelzer (Söhnstetten), der, entgegen seiner Gewohnheit, stark ins Turnier gestartet war, am Ende mit der Entscheidung aber nichts mehr zu tun hatte. „Heiko (Niedermayer) von Otzberg“, für mich der „Aufsteiger der Saison“, verpasste mit 182 Würfen den Platz an der illustren Nibelungen-Tafelrunde der vier besten Disc Golf-Recken nur um einen Wurf und wurde in der Open-Division Fünfter. Moritz Lang (Söhnstetten) und Markus Plattek (Fischach) teilten sich mit 189 Würfen Platz sechs. Nur mit jeweils einem Wurf Abstand folgten Jürgen Palme (Rüsselsheim/190) und Frank Hellstern (Oberkirch/191).

Thomas Barker „Master der Masters“

Thomas Barker lieferte bei den Masters eine souveräne Vorstellung ab und gewann mit fünf Würfen Vorsprung vor Volker Meyer (Ulm), der sich mit Runden von 62, 63 und 65 nach überstandenen Rückenproblemen wieder in erfreulich guter Verfassung präsentierte. Hätte der Amerikaner aus Straßburg in der dritten Runde nicht an seiner letzten Bahn drei Würfe benötigt, um die Insel zu treffen, wäre er sogar ein heißer Anwärter auf Platz drei in der Gesamtwertung gewesen. Michael Voglmeyer (Nörten-Hardenberg/214) und Martin Fohlert (Ulm/215) komplettierten den Top-Flight bei den Masters. „Scheibensucher“ Michael Malz schrammte nur um zwei Würfe am Finale vorbei.

Souveräner Sieg von Christine Hellstern vor Tanja Höll

Ähnlich souverän wie Barker beherrschte Christine Hellstern (Oberkirch) die Damen-Konkurrenz und gewann mit neun Würfen Vorsprung vor der Führenden in der GermanTour, Tanja Höll aus Augsburg. Damit verabschiedete sich die Deutsche Meisterin und GermanTour-Siegerin des Vorjahres schon einmal von der GT-Bühne: „Frank und ich werden nur noch noch das letzte EuroTour-Turnier in Bern in zwei Wochen spielen. Wir waren in den letzten Wochen einfach viel unterwegs.“ Platz drei belegte Maya Erdmann (Dassel) vor Natalie Moßig (Reutlingen).

Scheibensucher-Duell bei den Junioren: Holighaus vor „Pana“

Der hochfavorisierte Junior Robin Holighaus ließ das Turnier gemächlich angehen. Mit Runden von 69 und 66 lag er nach dem ersten Tag gleichauf mit Panagiotis Guschakowsky und hatte sich am Samstagabend mit dem Satz: „Am Sonntag gebe ich Gas“ verabschiedet. Gesagt, getan. Mit einer 58er-Runde und 20 Würfen im Finale spielte Robin am Sonntag auf dem Niveau der besten Open-Spieler und gewann letztlich überlegen mit 15 Würfen Vorsprung vor seinem Freund „Pana“, der dennoch sehr zufrieden war: „Ich habe bis zur Mitte der dritten Runde gut mitgehalten.“ Maximilian Tkocz und Benedikt Mais (Baden-Baden) mussten nach dem Junioren-Finale an Bahn 13 um den dritten Platz stechen. Dem 13jährigen Geislinger reichte das Par zum Platz auf dem Treppchen.

Vierter Saisonsieg für Lothar Henseler bei den Grandmastern

Bei den Grandmastern feierte Lothar Henseler mit 226 Würfen bereits seinen vierten Saisonsieg. Vierter Saisonsieg? Ja, vierter Saisonsieg! Wann immer „Loddar“ in dieser Saison antrat, stand er ganz oben: beim Advanced Approach und Putt-Turnier in Söhnstetten, beim Wental Challenge in Bartholomä und bei der Albuch Classic. Zugegeben, alles im Umkreis von 30 Kilometern von seinem Wohnort. Und deshalb haben sich die Qualitäten des Mannes aus der Steiff-Stadt Giengen an der Brenz noch nicht so herum gesprochen. Er überschreitet den „Weißwurst-Äquator“ nur selten. Dabei war er schon 1999 bei der Europameisterschaft in der Schweiz dabei. Lieferte Henseler acht Turnierergebnisse, würde sich die Frage nach dem GermanTour-Sieger bei den Grandmastern kaum stellen. Seine Begleiter im Finale waren Ewald Tkocz (Geislingen/240), „Scheibensucher“ Wolfgang Walter (Otzberg/257) und William Erdmann (Dassel/268).

Einige Bahnen mit „internationalem Niveau“

Turnierdirektor René Kundel hatte beim Parcours die Latte ganz bewusst hoch gelegt: „Im Rüsselsheimer Ostpark kannst du einen schlechten Abwurf häufig mit einem guten zweiten kompensieren, hier in Worms nicht.“ Und Sieger Christian Plaue bestätigte: „Einige Bahnen haben internationales Format, etwa die 320 Meter lange Bahn fünf oder Bahn 14. Und was mir in Worms besonders gefällt, ist, dass der Kurs so abwechslungsreich ist. Jede Bahn hält eine andere Herausforderung bereit.“

So lagen die besten Runden nur drei oder vier Würfe unter Par. Auch Finalist Michael Stelzer zeigte sich von dem Kurs im wunderschönen Stadtpark angetan: „Toller Parcours. Vielleicht muss man die eine oder andere Bahn überarbeiten. Aber ich komme im nächsten Jahr wieder.“

O.b.-Leinen waren weitgehend überflüssig. Das Gelände bot genügend „challenges“. Dog legs und Mandatories erschwerten die Aufgaben. Auch die Inselbahn acht – in diesem Jahr mit drei Drop Zones – sorgte nicht nur bei den weniger erfahrenen Spielern für Nervenkitzel. Peter Pulvermüller, der in der ersten Runde dort spottete: „Es war schon erstaunlich, dass gerade einige gute Spieler, von denen man es am wenigsten erwartet hatte, mehrere Würfe benötigten, um die Insel zu treffen.“

Das Meister-Diplom für die TDs und ihre Helfer

Wer mit offenen Augen und wachem Blick durch den weitläufigen Park schlenderte, konnte zumindest eine kleine Ahnung davon erhaschen, mit wie viel Aufwand und Liebe zum Detail die Turnierdirektoren René Kundel, Philipp Marouelli und ihre Helfer das Event vorbereitet hatten. Nur einige Beispiele: Players Meeting und Siegerehrung wurden eindrucksvoll unterstützt durch Power Point-Präsentation. Zahlreiche Hinweisschilder sorgten dafür, dass die Spieler im Gelände die Orientierung nicht verloren. Der Parcours war hervorragend präpariert. Das Wormser Grünflächen-Amt – ja so etwas gibt es! – hatte wenige Tage vor dem Turnier die Grünflächen um einige Abwürfe und Körbe noch eigens gemäht. Bei angenehmen Temperaturen von knapp 20 Grad ließ es sich in „Schmidts Biergarten“ in den Pausen trefflich trinken und schmausen, von den Wirtleuten aufs freundlichste und fürsorglich betreut.

Keine Frage: nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr mit einem C-Turnier hat das Organisations-Team in diesem Jahr seine „Meisterprüfung“ mit Auszeichnung bestanden. Die Frage, ob es im nächsten Jahr eine Neuauflage der Nibelungen Open geben werde, ließ René Kundel bei der Siegerehrung erst einmal offen: „Ich muss erst einmal schlafen.“ Lieber René, lieber Philipp, der Film „Schlaflos in Worms“ ist erst einmal abgedreht. Die Klappe fällt für die letzte Einstellung. Das zahlreiche Publikum applaudiert euch und den zahlreichen Helfern. Vielen Dank und gute Erholung.

© 2010-2017 Deutscher Frisbeesport-Verband e.V. (DFV)