Disc Golf mitten im Einkaufszentrum

16.9.2010 | Taddäus Winkelbeiner. Wie wir alle wissen, ist Disc Golf ein Sport, der unter freiem Himmel gespielt wird und Jung und Alt gleichermaßen begeistert. An dieser Aussage gibt es wohl nix zu rütteln, außer man flanierte zufällig am Samstag, den 11. September 2010 durch die Kaiser Passage in Worms. Denn dort spielten von 10 bis 18 Uhr ca. 200 Leute Disc Golf und ließen Scheiben durch die Luft fliegen.

Sollten sich spätestens jetzt beim Leser ernsthafte Zweifel am Wahrheitsgehalt dieses Artikels aufdrängen, folgt nun die Auflösung und gleichzeitig ein kleiner Bericht von einem ereignisreichen Tag für drei Discg Glfer und hoffentlich viele Wormser.

Wie hinlänglich bekannt sein sollte, finden vom 17. bis 19. September 2010 in Worms die 2. Nibelungen Open statt. Da sich jedoch bei Disc Golf-Turnieren in Deutschland die Zuschauerzahlen in überschaubaren Dimensionen bewegen, hatte TD René Kundel die Idee, den Sport und natürlich das Turnier im Speziellen publik zu machen und somit der Bevölkerung der Nibelungen-Stadt schmackhaft zu machen.

Bereits im April dieses Jahres wurde Kontakt mit der Sportförderung Worms aufgenommen und Herr Vogt, dem auch auf diesem Wege gedankt werden soll, stellte den ersten Kontakt mit der Kaiser Passage her. Nach zwei Gesprächen mit den Verantwortlichen hatte René Kundel das erreicht, was er wollte. Discgolf mitten im Einkaufszentrum!

Doch damit war der (Hand)-Käs noch lange nicht gegessen. Wie soll Disc Golf präsentiert werden? Woher bekommt man Unterstützung bei der Orga? Auf diese Fragen gibt es nur eine Antwort: Jens Schrader. Der Vorstand der Abteilung Discgolf zeigte sich sogleich begeistert von den Plänen Kundels und sorgte dafür, dass ein Infostand vom DFV, Flyer, Scheiben, Minimarker als „Giveaways“, sowie Frisbee-Banner bereitgestellt wurden und sogar frei Haus nach Rüsselsheim in die Casa Kundel geliefert wurden. Vielen Dank lieber Jens für die tolle Unterstützung!

Die Rahmenbedingungen waren also gegeben, nun stellte sich die Frage nach der konkreten Umsetzung. Auf einer Kunstrasenfläche von ca. 40 Quadratmetern durften sich Kundel und seine Helfer an exponierter Stelle ausbreiten und 8 Stunden lang Disc Golf präsentieren. Da solch ein Tag nicht von einer Person allein bewältigt werden kann, holte Kundel noch Jürgen „HermJ“ Hermanns und Taddäus „Ted“ Winkelbeiner ins Boot. Der vierte Mann in besagtem Boot, Martin „Maddien“ Kunz, musste leider am frühen Morgen wegen einer starken Erkältung absagen. Lieber Maddien, Gute Besserung auf diesem Wege!

Doch damit noch lange nicht genug. René Kundel wäre nicht René Kundel, wenn er sich mit dem bisher Erreichten zufrieden gäbe. Um den Stand optisch und auch discgolferisch aufzuwerten, besorgte er bei einer Baumschule 8 (ACHT!!!) Büsche, die das Putting auf die zwei mobilen Körbe auf dem Green erschweren sollten (und dies auch erfolgreich taten). Besonderer Dank gilt auch dem Hausmeister der Passage, der für Rücksprache und Unterstützung bei der Logistik ein offenes Ohr hatte und somit seinen Beitrag zum Gelingen leistete.

Und dann ging es los. Um 8 Uhr morgens begannen die Aufbauarbeiten am Infostand, die mit dem „Design“ der beiden Bahnen um kurz nach 9 abgeschlossen waren. Sobald die Kaiser Passage ihre Pforten öffnete, strömten die Wormser in die schöne Einkaufspassage und wunderten sich sichtlich über die drei Männer, die ihnen eigenartige Scheiben in die Hand drückten und sie zu einer Partie Disc Golf animierten. Hier zeigte sich das Publikum in der Nibelungen Stadt als aufgeschlossen und interessiert an Neuem. Bravo Wormser!

Die Minimarker, der der DFV gesponsert hatte, wurden als Preis an diejenigen Passanten verteilt, die mindestens 3 von 6 Putts getroffen hatten. Bei 6 Treffern winkte je eine Latitude Spike. Diese Hürde war wohl etwas zu hoch, da keiner 6 Treffer verbuchen konnte. Der 6. Putt ging immer vorbei. Diese Form der Nervosität kennt wohl jeder Discgolfer, denn wie oft gehen „wichtige Putts“ am Korb vorbei…?
Im Laufe des Tages versuchten zwischen 150 und 200 Neugierige ihr Glück auf dem Green und zeigten sich ebenso interessiert an den 2. Nibelungen Open im Stadtpark oder wie der Wormser zu sagen pflegt, im „Wäldsche“. Es bleibt zu hoffen, dass einige ihr Versprechen einlösen werden und als Zuschauer ins Wäldsche pilgern.
Hier noch eine Information, die im Speziellen erfreut.

Überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche fanden Discgolfen „voll cool“ und kamen immer und immer wieder zum Stand, um endlich die 6 Putts zu treffen. Die „Hardcore-Putter“ waren dann auch sichtlich betrübt, als um 18 Uhr mit dem Abbau begonnen wurde und alle Minimarker vergeben waren.

Alles in allem bleibt ein toller, wenn auch sehr anstrengender Tag in Worms, der seine Wirkung hoffentlich nicht verfehlt hat und vielleicht dem Einen oder der Anderen Lust auf Disc Golf gemacht hat. Und selbst wenn keiner der „Neugolfer“ am kommenden Wochenende den Weg ins Wäldsche finden sollte (was überaus bedauerlich wäre), dann bleibt doch das gute Gefühl, den Sport etwas bekannter gemacht zu haben und einigen Leuten etwas Neues und Schönes gezeigt zu haben.
Und außerdem, wer kann schon von sich behaupten, dass er mitten in einem Einkaufszentrum von einer fahrenden Rolltreppe herab einen Putt aus ca. 25 Metern beinahe eingelocht hätte. Beinahe eben nur …

Es bleibt die Vorfreude auf die 2. Nibelungen Open, deren Kurs am letzen Sonntag seine endgültige Abnahme erfuhr und von erfahrenen und erfolgreichen Spielern wie Heiko Niedermeier und Ted Winkelbeiner in den höchsten Tönen gelobt wurde.

Bis kommendes Wochenende im Wäldsche …

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