Nabelschau der US-Stars bei der PDGA-WM

26.07.2010 – Von Ewald Tkocz. Die Professional Disc Golf Association (PDGA) nennt es Weltmeisterschaft. Doch die internationale Beteiligung an der Disc Golf-WM vom 27. bis 31. Juli in Crown Point im US-Bundesstaat Indiana ist fast so überschaubar wie bei der alpenländischen Meisterschaft im Fingerhakeln. Die PDGA und der veranstaltende Red Roc Disc Golf Club erwarten etwa 300 Spieler aus lediglich zehn Ländern, die den Veranstaltern bei 210 $ Dollar Startgebühr 63 000 $ in die Kasse spülen. Zum Vergleich: Bei der Europameisterschaft Ende August im französischen Pas-de-Calais starten Teilnehmer aus 22 Ländern. „Mister Birdie“ Frank Neitzel: „Die Zeit der WM-Touristen ist vorbei.“

Und so geht es auf den vier Kursen im Lemon Lake County Park ab Dienstag weniger um einen Vergleich der besten Champions der fünf Kontinente, sondern um eine weitere Nabelschau der US-Profis, die – wie Cale Leiviska und Nikko Locastro in Schweden – ihre im Fitness-Studio gestylten Körper gerne öffentlich zur Schau tragen. Und natürlich geht es im „We are the world“-Land USA auch um die Hoffnung auf eine weitere „epische Schlacht“ zwischen David Feldberg und Nikko Locastro, wie PDGA-Marketing-Direktor Dr. John G. Duesler Jr. es sich medienwirksam wünscht. Dem Sieger winken 8 000 $.

Eine weitere „epische Schlacht“ zwischen Feldberg und Locastro?

Zehnmal trafen die – laut PDGA-Rating – derzeit weltbesten Disc Golfer in dieser Saison aufeinander, zuletzt zweimal sogar auf europäischem Boden. In Stockholm gewann Locastro, in Skelleftea David Feldberg, der somit bei dem Duell mit 6:4 in Führung ging. Bei fünf der bisher sieben ausgetragenen Turnieren der National Tour (NT), bei denen die beiden aufeinander trafen, hatte Feldberg jedoch nicht weniger als viermal die Nase vorn. J.G. Duesler: „Feldberg ist dabei, wieder an seine Form als weltbester Spieler anzuknüpfen. Bei fünf US-Turnieren seit Juni hat er entweder gewonnen oder ist mindestens Zweiter geworden.“

Champs in Lauerstellung: Climo, Doss, Jenkins, Schultz

Die Weltmeisterschaft nur auf den Zweikampf Feldberg-Locastro zu reduzieren, wäre jedoch fahrlässig. Immerhin gab es bei den sieben NTTurnieren fünf verschiedene Gewinner: neben Feldberg auch noch Ken Climo, Barry Schultz, Weltmeister 2003 und 2004, Christian Dietrich und Nate Doss. Der 12malige Weltmeister „The Champ“ Ken Climo liegt in der National Tour derzeit hinter Feldberg sogar auf Platz zwei vor Doss, der 2005 und 2007 „world champion“ war. Erst an vierter Stelle folgt Locastro, der „Spieler des Jahres“ 2009 der PDGA. Der 22jährige aus St. Louis ist ehrgeizig und erfolgshungrig. Ihm fehlt dieser Titel noch, um sich nach seinem Erfolg bei der US Disc Golf Championship im Vorjahr ein Plätzchen in der „Hall of Fame“ des Disc Golf zu sichern. Dort ist bereits ein Spot für Avery Jenkins reserviert. Doch der Titelverteidiger zählt nicht zur ersten Garnitur der Anwärter auf den WM-Pokal. Dazu fehlen ihm in diesem Jahr die Spitzenresultate. Der einzige Europäer, der den Amerikanern im Augenblick Paroli zu bieten scheint, ist Jesper Lundmark. Doch auch der Schwede ist eher ein Fall für Wetter, die gerne auf Außenseiter setzen.

Äppelwoi und ein paar Dollar extra für die Champions of „The Drive“

Es gibt eine enge Verbindung zwischen der National Tour, der Welt- und US-Meisterschaft (USDGC). Bei der WM und der USDGC gibt es Punkte zu gewinnen, die zusammen mit den vier besten Ergebnissen aus den neun NT-Turnieren den Sieger im so genannten „Drive for the Championships“ ermitteln. Ein Apfelwein-Hersteller aus Vermont sorgt dafür, dass es für den Erfolg bei „The Drive“ noch ein paar Dollar extra gibt. Um auf die Website des Apfel-Verwerters zu gelangen, muss man im „Mutterland der Prohibition“ übrigens angeben, dass man älter als 21 Jahr ist. Bleibt die spannende Frage, ob die PDGA, die bei ihren Turnieren auf ein striktes Verbot von Drogen achtet, die Gewinner bei der Siegerehrung mit dem Äppelwoi des Sponsors in der Hand ablichten lässt…

Vier 18-Bahnen-Kurse im Lemon Lake County Park

Noch ein Wort zum Austragungsort. Der Lemon Lake County Park südlich von Chicago umfasst nicht weniger als 163 Hektar und beherbergt seit 2008 vier Disc Golf-Kurse mit jeweils 18 Bahnen. Sie allein umfassen fast 57 Hektar des Geländes – eine für deutsche Vorstellung nur schwer vorstellbare Dimension. „Das wird eine WM der kurzen Wege“, verspricht PDGA Executive Director Brian Graham, „die Spieler brauchen sich keinen Kopf darüber zu zerbrechen, wie sie von einem Kurs zum nächsten kommen.“ Die vier Parcours tragen so bildhafte Namen wie „Blue Heron“, „Red Tail Hawk“, „Silver Disc“ oder „White Tail Deer“.

Den wenigen Disc Golfern aus Europa und Asien wird wohl wieder nur die Komparsenrolle zufallen. Denn wer die Siegerlisten der Welt-Titelkämpfe seit 1982 durchforstet, wird in den sieben Divisionen nur zwei Ausnahmen finden, bei denen nicht amerikanische Disc Golfer oder Disc Golferinnen triumphierten: 2002 in Houston gewann die Japanerin Chieko Kakimoto in der Masters-Klasse der Frauen, zwei Jahre später in Des Moines sorgte Birgitta Lagerholm aus Schweden in der Open-Division für den bisher einzigen europäischen Erfolg. Titelverteidigerin Valarie Jenkins ist drauf und dran, in die Fußstapfen von Elaine King (1991-1994) und Juliana Korver (1998-2001) zu treten, die jeweils viermal hintereinander Weltmeisterinnen wurden.

Bild und Infos: www.2010proworlds.com

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