Simon Lizotte für Europa bestens gerüstet

21.06.2010 – Von Ewald Tkocz. Erneut ein überzeugender Sieg und auf internationalem Top-Niveau gespielt: Simon Lizotte ist nach seinem Sieg bei den Berlin Classics bestens für die Herausforderungen im Juli auf europäischer Ebene gerüstet. In Beaminster, Stockholm und Skelleftea wartet nun kein Geringerer als der Amerikaner David Feldberg, an dem sich der 17jährige messen kann. Seine deutschen Konkurrenten hielt er zuletzt in Rüsselsheim (24 Würfe), Grebenstein (21) und Berlin (22) auf respektablem Abstand.

Bei der 23. Auflage des traditionsreichen Turniers im Volkspark Rehberge gelang dem Bremer zudem, was bislang nur Toad McReynolds glückte: den Titel zu verteidigen. Doch während im Vorjahr Robert Chris Delisle vor den letzten drei Finalbahnen noch gleichauf mit ihm lag, sorgte Simon diesmal bereits in der zweiten und dritten Runde für klare Verhältnisse. Mit 47 bzw. 46 Würfen nahm er dem sehr gut spielenden Tony Ferro 14 Würfe ab, der freilich den Kurs erst einmal kennenlernen musste. Im Halbfinale und Finale war der US-Schweizer wurfgleich mit Simon.

Runden mit einem PDGA-Rating von 1051 und 1057

Die beiden Runden von Simon wurden mit 1051 bzw. 1057 Punkten eingestuft: internationales Top-Niveau. Auf den 72 Bahnen unterlief ihm lediglich ein einziges Bogey. Frank Neitzel: „Wenn man bedenkt, dass fünf Bahnen mehr als 150 Meter Länge aufweisen und gar nicht mit einer Drei bewältigt werden können, hat Simon am Limit gespielt.“ Die 270 Meter lange „Rodelbahn“ (Par vier) schloss der Bremer jeweils mit einem Birdie ab. Greg Marter: „Sein Drive dort über 150, 160 Meter im Finale war unglaublich.“

Greg Marter: „Simon wird in Frankreich Europameister“

Simon brauchte damit auf dem gegenüber 2009 fast identischen Kurs 15 Würfe weniger als vor einem Jahr – ein weiterer Qualitätssprung. „Er trainiert mehr, hat mehr Erfahrung gesammelt und macht keine Quatschwürfe mehr“, analysierte Greg Marter, der im Stechen gegen den Ungarn Dani Hatvani wie im Vorjahr das Finale der besten fünf Open-Spieler erreichte und am Ende Vierter wurde. Marter: „Er kann sein spielerisches und mentales Potential in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen. Aber ich traue ihm zu – und da lehne ich mich einmal weit aus dem Fenster –, dass er im August in Frankreich Europameister wird.“

Robert Chris Delisle gewinnt Kampf um Platz drei

Spannend war im Finale der Kampf um Platz drei hinter Simon Lizotte und Tony Ferro, der bei seiner Premiere in Berlin überzeugte und mit tollen Putts glänzte. Der 24jährige Robert Chris Delisle spielte sich mit einem „Traumfinale“ (Greg Marter) noch auf Rang drei. „Chris hat im Finale jeden Putt getroffen“, erkannte Greg Marter neidlos an. Dass mit Marter und Victor Braun zwei Linkshänder unter den besten fünf Open-Spielern waren, spricht dafür, dass einer der schönsten und anspruchsvollsten Parcours in Deutschland auch den „Lefties“ eine faire Chance einräumt. Der 19jährige Victor Braun hat sich in diesem Jahr zum „Dauerfinalisten“ entwickelt, spielte er sich doch bereits bei den B-Turnieren in Hesselbach und Eberswalde unter die fünf besten Disc Golfer. Seine erste und dritte Runde waren allererste Sahne und wurden mit 1014 bzw. 1018 geratet.

Danish Dynamite: Siege für Lena Brammer und Claus Svane

Auch die große dänische Kolonie hatte beim internationalsten Turnier Deutschlands Grund zu feiern. Lena Brammer verlängerte ihr Sieges-Abonnement im Volkspark Rehberge um ein weiteres Jahr und spielte am Samstag mit zwei 60er Runden auf „Open Niveau“ (Frank Neitzel). Die Deutsche Meisterin Susann Fischer aus Potsdam ließ dann am Sonntag ihre Klasse aufblitzen, als sie fünf Würfe auf die Dänin gut machte und deutlich über ihrem PDGA-Rating performte. Im Kampf um Platz drei machte Josephine Jahn (Potsdam) am Sonntag einen Rückstand von sechs Würfen auf Alessa Schwarz (Berlin) wett und sicherte sich mit einem Wurf Vorsprung den Podestplatz.

Bei den Masters sorgte Claus Svane Rasmussen für den zweiten dänischen Erfolg. Rasmussen gewann mit drei Würfen Vorsprung vor Lokalmatador George Braun und Arthur Haverkamp aus Holland. Viro Schneider aus Berlin gewann überlegen bei den Grandmastern. Berlin: Das internationalste Disc Golf-Turnier in Deutschland Am ersten Tag des Turniers hatten die Spieler noch mit schwierigen Bedingungen durch den böigen Wind zu kämpfen. Auch ein kurzer Schauer war dabei. Am Sonntag wurden die 88 Teilnehmer jedoch – entgegen der Wettervorhersage – mit Traumwetter verwöhnt.

Die Stimmung war toll, auch wenn viele deutsche Spitzenspieler dem Turnier fern geblieben waren, da es in diesem Jahr kein Bestandteil der GermanTour war. Allein durch die 30 ausländischen Disc Golfer entstanden viele interessante Flights. Frank Neitzel: „Wir hatten ein tolles Starterfeld. Für viele deutsche Spieler war es eine neue und anregende Situation, dass in einem Flight einmal Englisch gesprochen wurde.“ Der Kurs und das Turnier wurde von den Disc Golfern aus dem Ausland sehr gelobt. Dani Hatvani aus Ungarn versprach, im nächsten Jahr wieder zu kommen und einige Landsleute mitzubringen.

Die Berlin Classics waren im Internet-Blog zu verfolgen

Auch die Organisatoren ernteten von den Spielern viel Lob und Anerkennung für die „viele, viele Arbeit“ (Frank Neitzel). Simon Lizotte sagte, er habe keinen Unterschied im Vergleich zu den 22. Berlin Open feststellen können, das im Vorjahr als B-Turnier der GermanTour ausgetragen wurde. Frank Neitzel: „Eine Menge Leute hat mitgeholfen. So musste der Kurs zum Beispiel an allen drei Tagen auf- und abends nach den Runden wieder abgebaut werden, die Zelte und die ganze Ausrüstung eingeschlossen.“

Eine weitere, interessante Neuheit: das Turnier konnte erstmals in einem Internet-Blog mit Bildern und Text verfolgt werden, vom Players Meeting bis zum Schnitzel am Mittagstisch. Zudem wurden die Ergebnisse samt PDGA-Ratings noch an den Turniertagen und selbst in der Mittagspause online gestellt.

Hans Behrendt und 20 Euro Preisgeld: Mit 71 nun ein Pro

Und noch eine Premiere: Hans Behrendt hat mit 71 Jahren den Sprung zu den Professionals vollzogen. Der Berliner strich für seinen zweiten Platz bei den Grandmastern 20 Euro Preisgeld ein und gab damit seinen jungfräulichen Amateur-Status auf. Lieber Hans, ich hoffe, das gibt keine Probleme mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sollte Disc Golf einmal olympisch werden…

Ergebnisse unter: http://www.pdga.com/tournament-results?TournID=10406&include_ratings=1
Bilder unter: www.2sf.info/dg/2010-berlin-classics/index.html
Videos unter: www.youtube.com/user/baghira55#p/u/0/401Qy3GDK84
www.youtube.com/watch?v=gk9dXTzVYEU

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