Hüne aus der Augsburger Bronx wird Putter King

9.6.2010 – Von Ewald Tkocz. Beinharter Wettkampf unter Freunden, Fortbildungsveranstaltung, öffentliche Disc Golf-Demonstration, Spaß und Happening mit Familienanschluss, Freibier und Kuchen für Spieler und Gäste: so sehen Turniere der Augsburger Disc Golf-Guerilleros aus. Beim „1. Putter King“ testete Michael Kobella im herrlichen Park am Augsburger Siebentischwald die Putt-Qualität von 18 Teilnehmern, die bis aus Reutlingen und München angereist waren.

Die Anforderung beim so genannten „Putter King“: in sechseinhalb Stunden bei „mörderischer Hitze“ (Ralph Lehmann) mehr als 400 Putts auf sechs Körbe aus 90 verschiedenen Wurf-Positionen zwischen vier und zwölf Metern Entfernung. Turnierdirektor Michael Kobella: „Die Aufgabenstellungen waren sehr abwechslungsreich und es waren vielfältige Problemlösungen gefragt.“ Fazit: alle Probanden bestanden den offenbar ohne größere Verschleißerscheinungen – sieht man einmal von am nächsten Tag aus Reutlingen gemeldeten Mikrotraumata im übermäßig beanspruchten Muskelgewebe (Muskelkater) ab. Ralph Lehmann ist sich bereits sicher: „Das Turnier wird definitiv wiederholt.“

Taddäus I. von Oberhausen erster Putter-König

Als erster Regent setzte sich, nicht ganz unerwartet, Taddäus Winkelbeiner auf den Thron und geht nun als „Taddäus I. von Oberhausen“ in die Geschichtsbücher der Augsburger Disc Golf Guerilleros ein. Statt Szepter und goldener Scheibe erhielt der Sieger als Insignien ein Doppel Whopper Menü. Ersten, unveröffentlichten Turnier-Fotos zufolge dürften Angebote an den „Hünen aus der Augsburger Bronx“ (Ted über Ted), für das Cover des Magazins „Playgirl“ oder das Szene-Blatt „Tattoo“ zu posieren, nicht mehr lange auf sich warten lassen …

„Teds Art zu putten, ist außergewöhnlich“, beschrieb Michael Kobella den Putt-Stil seines Freundes, „er puttet nicht im klassischen Sinn. Er feuert die Scheiben in hohem Tempo nach vorne weg, hat seine Wurfbewegung in hohem Maße automatisiert. Nach der ersten Scheibe justiert er den Wurfarm nach und erzielt so Trefferquoten von 80 Prozent und mehr.“ Vize-König wurde Vize-Europameister Michael Kobella (Augsburg) vor Markus Plattek (Fischach), den Münchner „Hyzernauts“ Philipe Kutschke und Tobias Fuchs sowie Mike Böhm (Augsburg). Teds unglaubliche Quote nach den 300 Putts der ersten beiden Runden: 199 Treffer! Die Auswertung der mehr als 7.000 Putts wird vermutlich Wochen in einem indischen IT-Zentrum in Anspruch nehmen.

Klassische Putt-Positionen – 50 pro Korb

Noch einmal zurück zur technischen Versuchsanordnung. An jedem der sechs Körbe waren zehn Wurfpositionen festgelegt. Ralph Lehmann: „Klassische Positionen, Putts mussten hinter Bäumen oder Sträuchern, im Kniestand oder unter herab hängenden Zweigen geworfen werden, ähnlich wie beim Advanced Approach & Putt Turnier in Söhnstetten.“ Jeder Spieler hatte von jeder Position aus fünf Würfe zu tätigen, also 50 Putts pro Korb. Nur die Treffer wurden gezählt. In der dritten Runde musste bei drei Versuchen auch noch der längst Re-Putt erfolgreich versenkt werden, ansonsten verfielen die an dieser Wurfposition erzielten Treffer. Gefordert: mentale Stärke, Konzentration und Durchhaltevermögen Und worin bestanden die größten Herausforderungen dieses Turniers? Ralph Lehmann: „Man musste seine größte mentale Stärke auspacken, um über mehr als sechs Stunden sein Level zu halten und Schwächephasen zu überwinden. Gerade bei den etwas längeren Wartezeiten in der dritten Runde, als wir in Sechser-Flights spielten, war es sehr schwierig, den Spannungsbogen zu halten.“ Doch neben Schwächephasen erlebten die Spieler auch „Schübe, in denen alles ging“ (Lehmann).

Kopfprobleme beim Putten kennt Michael Kobella eher nicht. „Auch wenn ein Putt oder eine ganze Fünferserie daneben geht, darf bei Top-Spielern gar kein Zweifel aufkommen. Man muss lernen, einen misslungenen Putt sofort abzuhaken.“

Die Teilnehmer waren jedenfalls begeistert. „Das war eines der besten Turniere, an denen ich jemals teilnehmen durfte“, urteilte Ted Winkelbeiner, „ebenso bemerkenswert wie das Geschehen im Wettkampf war die Tatsache, dass sich viele Zuschauer, Angehörige der Spieler und Schaulustige in dem herrlichen Park tummelten und somit eine geradezu familiäre Atmosphäre entstand, wie sie sonst nur bei der legendären Summer Challenge in Poing zu beobachten ist.“ Diese Atmosphäre, so der Augsburger, habe die Spieler zu „wahren Höchstleistungen beflügelt“. Sein abschließenden Fazit: „Durchwegs glückliche Gesichter, traumhafte Location, bestes Wetter, ein tolles Teilnehmerfeld und hochklassiger Sport, besser kann man einen Sonntag nicht gestalten.“

Terminkollision am 11. Juli: Summer oder Wental Challenge?

PS: Dominik Stampfer, bei der am selben Tag stattfindenden WSCA-Vereinsmeisterschaft bei den Junioren erfolgreich, war nicht der einzige, der ebenfalls gerne beim „Putter King“ dabei gewesen wäre. Doch nachdem sie das Turnier in der Vorwoche zweimal wegen heftiger Regenfälle hatten verschieben müssen, sahen Tanja Höll und Michael Kobella keine Alternative vom Termin her. Die nächste Terminkollision ist jedoch bereits programmiert, falls die Münchner Hyzernauts ihre traditionelle Summer Challenge tatsächlich am 10. und 11. Juli in Poing bei München veranstalten. Denn am selben Wochenende gastiert die GermanTour im Wental bei Bartholomä. Dann stehen drei Verlierer bereits von vorneherein fest: die Spieler, die sich erneut zwischen zwei tollen Turnieren entscheiden müssen, und die Veranstalter, die sich gegenseitig Konkurrenz machen.

Weitere Infos und Bilder auf: www.discgolfguerilla.de

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