S. Lizotte gewinnt das 11. Hesselbacher Hofturnier

29.03.2010 – Bei diesem Turnier ist vieles anders als bei anderen Turnieren. Und bei diesem Turnier lief vieles anders als bei anderen Turnieren. Auch wenn der Sieger von Hellsterns Hesselbacher Hofturnier am Ende wieder einmal Simon Lizotte hieß. Doch der 17jährige Bremer machte bei seinem ersten Auftritt in Oberkirch diesmal nicht die Pace, demoralisierte diesmal nicht die Konkurrenz mit einer fulminanten Auftaktrunde. „Der Kurs ist absolut genial. Aber ich musste mich erst an ihn gewöhnen“, sagte er, fast entschuldigend, bei der Siegerehrung.

Denn es gab ein paar ausgeschlafene Jungs, die dem Seriensieger des letzten Jahres lange zusetzten und ihn schließlich in der dritten Runde zu einem neuen Kursrekord (52) „kitzelten“. Darunter zwei Berliner Jungs, der erst 19jährige Victor Braun, Sieger des Turniers von Eberswalde, der bei seiner Premiere in der Open-Klasse gleich ins Finale stürmte und Vierter wurde. Als Linkshänder. Auf einem Kurs, der Linkshändern wahrlich nicht entgegen kam. Und der 24jährige Robert Chris Delisle, der Simon Lizotte schon bei den 22. Berlin Open einen heißen Kampf geliefert hatte und Dritter wurde.

Und dann gab es dann noch dieses unverwüstliche „Urgestein“ (Frank Hellstern) Klaus Kattwinkel, der nach drei Runden gleichauf mit Simon Lizotte lag, im Finale mit spektakulären Drives und Putts die Akzente setzte und dem Sieger ein dickes Kompliment entlockte: „Es kommt nicht darauf an, dass man weit wirft. Klaus spielt unglaublich konstant und präzise.“ Das zweite Riesenkompliment für Klaus Kattwinkel kam aus dem Munde seiner Frau Ruth: „11. Start hier, zum elften Mal im Finale.“ Kattwinkel in Hesselbach: das ist eine Bank für Wetter, die gerne auf Nummer sicher gehen.

Erfolge für C. Hellstern, G. Braun, D. Stampfer und S. Defty

Weniger umkämpft waren die anderen Divisionen. Die Gastgeberin, Christine Hellstern, dominierte die Damenkonkurrenz souverän und wiederholte ihren Erfolg aus dem Vorjahr. Dominik Stampfer, überlegener Sieger bei den Junioren, hätte das Finale der vier besten Open-Spieler erreicht, hätte er in der Open-Klasse gemeldet. Zusammen mit Jerome Braun spielte er im Halbfinale die zweitbeste Runde (25). Stephen Defty gewann bei den Grandmastern vor Mario Tomasi (Frankreich). George Braun ging seinen beiden Söhnen Victor und Jerome als leuchtendes Beispiel voran und gewann die Masters-Konkurrenz vor Martin Fohlert und Volker Meyer. Dass Victor und dem 16jährigen Jerome die Zukunft gehört, war unübersehbar. Der stolze Vater: „Die beiden haben sich unglaublich verbessert.“

Hesselbach: Das etwas andere Disc Golf-Turnier

Bliebe noch die Frage zu klären, was bei Hellsterns Hesselbacher Hofturnier so anders ist. Der Doubles-Wettbewerb zum Beispiel, bei dem jede Bahn nach einem anderen Format gespielt wird. Das „Hesselbach Spezial“, bei dem auch die, die nicht im Finale stehen, gewinnen können, wie der 12jährige Jonas Lehmann, der sich gleich den Startplatz für das Turnier im nächsten Jahr erspielte.

Nun, die Körbe für das Turnier werden von Mario Tomasi aus Straßburg heran gekarrt. Er liefert dann auch den Elsässer Wein für den CTPWettbewerb. Der Kuchen stammt aus Ruths Backofen aus Engelskirchen. Die Spieler sind sich auch nicht zu schade, Hackschnitzel auf den Abwürfen zu verteilen und mit anzupacken. Wer keinen Schlafplatz hat, kommt in der Praxis unter, Frühstück gibt’s in Hellsterns Küche. Wer auf den Hof kommt, spürt sofort: Das hier ist nicht nur ein wichtiges Turnier, es fühlt sich eher an wie das Treffen einer Großfamilie, die sich freut, nach der langen Winterpause wieder zusammen zu kommen und einer gemeinsamen Leidenschaft zu frönen. Sympathisch, herzlich, wohltuend menschlich. Was natürlich auch an den Gastgebern und ihren Helfern liegt. Und an Bauer Franz, der seit elf Jahren das Gelände zur Verfügung stellt und mit Gemütsruhe und Schwarzwälder Freundlichkeit dem Treiben zusieht. Frank Hellstern: „Ohne Franz ginge hier gar nichts.“ Vieles ist anders bei Hellsterns Hesselbacher Hofturnier. Und deshalb werden auch im nächsten Jahr die Wildcards wieder begehrt sein.

Ergebnisse hier.
Bilder: hier.

Text: Ewald Tkocz
Bild: Alessa Schwarz

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